Das Jahr meines Lebens - Mein Argentinienaustausch :)
Ich bin am 18. Juli 2008 nach Argentinien gefahren und war natürlich total aufgeregt! Besonders wegen der Sprache hatte ich mir viele Monate Sorgen gemacht, ich konnte zwar ein wenig Spanisch aber ich hatte Angst, dass das vielleicht nicht ausreicht, um zurechtzukommen. Der Abschied fiel mir dann auch schwer und ich kam total verheult ins Flugzeug, doch als ich in Madrid die anderen Austauschschüler getroffen habe, war die Trauer schon verflogen und gemeinsam haben wir Argentinien entgegen gefiebert.

Dort angekommen wurden wir von den Betreuern abgeholt und zum Vorbereitungscamp gefahren, wo wir dann geschockt wurden als plötzlich ein Soldat mit Maschinengewehr in unserem Bus einstieg! Doch es stellte sich heraus, dass der Mann kein Terrorist war, sondern uns nur willkommen hieß, da wir die erste Woche auf einem Militärcampus verbracht haben. Das hört sich jetzt vielleicht schrecklich an, aber es war nach dem ersten Schreck super lustig und mit den vielen Spielen der Betreuer und dem täglichem Sprachkurs ging die Woche schnell vorbei. Meine Gastfamilie konnte mich nicht in Cordoba abholen, weshalb ich mit dem Bus nach Diamante, Entre Rios fahren musste.
Ich kam nachts um 5 Uhr an und wurde von meinen Gasteltern, meiner Gastschwester und einer ihrer Freundinnen abgeholt und trotz der wenigen Sprachkenntnisse konnte ich mich schon gut verständigen. Als wir zu Hause ankamen waren schon Freunde da, um mich willkommen zu heißen und natürlich gab es dann auch den ersten Mate! Zuerst muss man sich an den Geschmack gewöhnen aber schon nach 1 Monat ist man genau so ein Mate Fanatiker wie die Argentinier, denn Mate ist nicht nur ein Getränk sondern auch immer ein guter Grund zusammen zu kommen und sich was zu erzählen. Am nächsten Tag wurde mir das Dorf gezeigt es war zwar recht klein, aber voller Leben und man hat gleich gemerkt, dass sich hier fast jeder kennt. Ich wurde einer Menge Leute vorgestellt und war schon gleich als "Alemana" (die Deutsche) bekannt. Am Anfang ist es noch verwirrend plötzlich so viele neue Leute kennen zu lernen, die einen sofort mit Küsschen begrüßen, doch schon ganz schnell kann man sich an die Leute erinnern und obwohl ich mich noch nicht gut verständigen konnte haben mich die Leute immer zum Gespräch erheitert und nachdem sooft die gleichen Fragen beantworten musste, kann man dann auch schon sehr viel besser reden :). Am ersten Sonntag gab es dann auch mein erstes Asado, das argentinische Grillfest, wo die ganze Familie da war. Ich muss bestätigen, dass das Fleisch einfach richtig lecker ist.
Mein erster Schultag wurde ein wenig nach hinten geschoben, da die Lehrer gestreikt haben und so kam ich erst nach 7 Tagen in meine neue Klasse 3° Naturales einer katholischen Privatschule. Es gab natürlich Schuluniformen und jeden Morgen wurde die Fahne gehisst. Meine Klasse war aber sehr nett uns schon in meiner ersten Woche haben wir eine Klassenfeier gemacht. Ich musste in der Schule nicht alle Fächer machen, sondern nur Spanisch und 5 weitere Fächer, die ich aussuchen durfte, da es an den Schulen teilweise Fächer wie Buchhaltung gibt. Da ich in der Abschlussklasse war durfte ich auch mit auf die Abschlussfahrt nach Bariloche. Das war einfach super! Fast alle Abschlussklassen fahren nämlich nach Bariloche und deshalb freuen sich die Schüler jahrelang auf diese Reise. In Bariloche geht man viel in Clubs, fährt Ski und macht viele Ausflüge. Nach der Fahrt stand dann das Motoencuentro an, bei dem hunderte von Motorradfahrern sich treffen und Live Musiker kommen. Ein weiteres großes Event war die fiesta del estudiante (die Feier des Schülers) bei der eine Woche lang jede Nacht eine Feier war, wie zum Beispiel Kostümfeiern oder Schaumfeiern auf dem Programm standen und am letzten Tag wurde ein großer Umzug mit selbstgestallten Umzugswagen gemacht.
Meine Klasse hatte einen Wagen zum Thema "Olympische Spiele gemacht" also liefen wir alle zum Rhythmus der argentinische Hymne und in Argentinien- Trikots durch die Stadt und haben Sportarten nachgeahmt. Gewonnen haben wir zwar nicht, aber trotz allem hatte es Spaß gemacht und zum Schluss sind wir noch durch die Straßen gezogen und haben die Lehrer besucht, die uns Kekse oder Pizza geschenkt haben.
Neben der Schule waren nachmittags, nach der Siesta (an die ich mich erst einmal gewöhnen musste) immer Freunde da und wir haben Mate oder die Sommerform des Mates Terere getrunken. Wir haben auch viel geredet, sind einkaufen gegangen und haben natürlich immer auf die Wochenenden gewartet an den man in die Boliches, die Clubs geht. Hier wird natürlich viel getanzt aber auch mit Freunden geredet. Anfangs mochte ich das Ausgehen nicht so sehr, aber als ich dann mehr Leute kannte und das "Schüchtern-sein" der ersten Wochen abgelegt hatte, machte es sehr viel Spaß. Zudem konnte ich schon nach
3 Monaten alles verstehen und auch gut mitreden, trotz der anfänglichen Angst am Anfang nichts zu lernen. Am Sonntag treffen sich die Jugendlichen immer am Platz, um miteinander zu reden oder Vueltas (Spaziergänge) in der Stadt zu machen.
Kurz vor Weihnachten hatte ich dann auch einmal Heimweh, aber dank meiner Freunde und Gastfamilie ist das schnell verfolgen und ich konnte mich auf das sommerliche Weihnachten freuen. Eine Woche vor Weihnachten hatte ich auch meine Abifeier gehabt, die sehr schön war!
Am 29. Dezember musste ich dann die Gastfamilie wechseln, da meine Gastschwester anfing in einer anderen Stadt zu studieren und ich entschloss mich dazu, auch den Ort zu wechseln, da der Großteil meiner Freunde eh in andere Städte umziehen musste um zu studieren. Es fiel mir zwar sehr schwer Abschied zu nehmen, da ich echt sehr gute Freunde gefunden hatte, die mir auch eine sehr nette Überraschungsabschiedsfeier gemacht haben, aber ich hatte auch schon Kontakt zu meiner neuen Gastfamilie, die sehr nett wirkte.
Als ich in Arroyito, Cordoba ankam wurde ich auch herzlichst von meiner neuen Gastmutter, Schwester und Cousine empfangen und zusammen mit ein paar Freunden waren wir Pizza essen. Ich war anfangs wieder ein wenig verschüchtert, aber das hat sich schnell gelegt und ich habe den Rest der 3 Monate langen Sommerferien viel Spaß gehabt und natürlich wieder sehr viele neue nette Argentinier kennen gelernt. Ich war auch im Urlaub mit meiner Gastfamilie, in den Bergen und auch das war lustig, da wir mit der Kirche unterwegs waren und viele Jugendliche dabei waren. Ich war auch auf einem Cumple de 15. Also einem 15. Geburtstag, die in Argentinien echt groß gefeiert werden, da sie ein wichtiges Ereignis sind.
Im März ging die Schule dann wieder los und ich kam wieder in den Abschlussjahrgang in die Klasse Sexto B. Der erste Schultag war wieder aufregend, da ich von meinen neuen Klassenkammeraden noch nicht so viele kannte, aber ich habe mir Mut gefasst und einfach mit allen geredet und sobald die Argentinier merken, dass man ihre Sprache kann, beginnen sie schon tausende von Fragen zu stellen. Durch die wahnsinnig nette Art meiner Mitschüler wurden sie ganz schnell zu meinen Freunden und so machte die Schule echt viel Spaß. Es gab auch öfters Akte zu nationalen Feiertagen.
Es gab aber einen Riesenunterschied zu meinem bisherigen Schulleben, nämlich die Tatsache, dass ich nachmittags von 13.30 bis 18.00 Uhr in die Schule musste und vormittags nur Sport oder ITG hatte. Die Schule war auf recht gutem Niveau, aber trotzdem war ich eine der guten Schüler und habe eigentlich jeden Test bestanden und gute Noten gehabt. Da ich im Abschlussjahrgang war hat sich mein Kurs auch eine Jacke entworfen, die dann auch als Schuluniform genutzt werden konnte.
Auf einer Fahrt in die nächstgrößere Stadt habe ich sogar durch Zufall Tokio Hotel Fans getroffen. Ich selbst mag die Band zwar eher nicht, aber die Mädchen waren super nett und wollten unbedingt Deutsch lernen.
Im April kam meine Mutter mich besuchen, mit der ich ja sonst nur E-Mail und Telefonkontakt hatte und es war sehr schön sie zu sehn. Wir waren auch meine erste Gastfamilie besuchen und natürlich auch in Buenos Aires. Zwar war es traurig wieder Tschüss zu sagen aber mir wurde auch klar, dass ich gar nicht mehr so viel Zeit in Argentinien hatte und wollte die letzten zwei Monate nochmals genießen. An meinem Geburtstag hatte ich dann einen Kuchen gemacht und nach der Schule kam dann die Hälfte meiner Klasse zu mir nach Hause zum Mate trinken und ein paar Tage später hatten meine Freunde mir dann eine Überraschungsfeier gemacht.
Die Zeit verging viiieel zu schnell und dann war auch schon meine letzte Woche gekommen, in der ich dann nur noch von Haus zu Haus eingeladen worden bin. Und am letzten Wochenende habe ich dann mit einer anderen Austauschschülerin eine Abschiedsfeier gemacht. Mein letzter Tag in der Schule war dann schon traurig, auch wenn mir irgendwie nie bewusst war, dass ich wirklich gehen muss. Meine Klasse hat die ganze Zeit Abschiedslieder gesungen, ist durch die Gegend gesprungen und hat geschrien "Geh nicht Marie". Am Abend kamen alle spontan zu einem Abschluss-Asado vorbei. Und dann hieß es Adios Argentina :(
Ich kann jedem nur empfehlen nach Argentinien zu gehen! Die Leute sind viel netter dort und empfangen dich herzlich. Sie sind wirklich an anderen Ländern interessiert und auch wenn man anfangs schüchtern ist, sprechen sie dich an und helfen dir dich anzupassen. Ich muss sagen, dass ich meine argentinische Freunde wahnsinnig vermisse und eigentlich täglich an sie denke und auch noch viel in Kontakt mit allen bin. Am liebsten wäre ich eigentlich schon wieder dort :)
Also traut euch! Die Sprache lernt man echt schnell und man kann es echt nicht bereuen und gerade dadurch, dass die Kultur so anders ist, macht es Spaß Argentinien kennen zu lernen. Ihr werdet immer wieder überrascht werden und auch die deutschen Wurzel überall wieder finden, manche sprechen sogar noch ein wenig Deutsch. Für mich war mein Austauschjahr das Jahr meines Lebens.
Danke für den tollen Austausch!!!!
Marie






