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Lukas über die WM 2010 und sein brasilianisches Leben
 

Wenn man an Brasilien denkt, fallen einem zuerst Karneval, Fußball und Samba ein. Um Brasilien aber wirklich kennenzulernen, muss man wohl einmal hinfahren. Ich wollte Brasilien kennenlernen und genau deswegen habe ich mich mit der Hilfe von Ayusa Ende Januar auf den Weg nach Brasilien, genauer gesagt Goiania, gemacht.

Auf dem Weg zum Flugzeug kommen einem ganz viele Gefühle hoch. Zum einen der  bevorstehende Abschied von der Familie, zum anderen aber die Freude und Aufregung auf das kommende Jahr im Ausland.

Schüleraustausch BrasilienNachdem ich in Sao Paulo angekommen war, bemerkte ich schon deutliche Unterschiede. Außerdem war ich von der Größe total beeindruckt. Während des Fluges nach Goiania kam dann langsam ein wichtiger Augenblick auf mich zu: das erste Treffen der Gastfamilie. Gelandet mit einem ersten Eindruck und Blick auf die Stadt, wurde ich mit einem großen Lächeln, Umarmungen und Küssen von meinem Betreuer, meiner Oma und meinem Bruder empfangen und gleich zu einem leckeren Essen eingeladen. Danach kam ein zweiter wichtiger Eindruck: Das Haus und der Rest von meiner Familie. Nun wusste ich endgültig, dass ich gut angekommen war.

Die ersten Tage verliefen relativ ruhig, weil ich ein paar Tage frei hatte. Im Februar fing dann die Schule an. Ich habe mir 2 Schulshirts gekauft, welche ich jeden Tag benutzen muss. Nach den ersten ruhigen Tagen in der Schule stand dann der Karneval an. Das ganze Land hört für 4 Tage auf zu arbeiten, um zu feiern. Ich habe dieses besondere Fest mit meiner ganzen Familie in dem Ferienhaus von meiner Tante in einer Altsstadt in der Nähe von Goiania verbracht. Dort habe ich dann auch das erste Mal in richtig großen Wasserfällen gebadet.

Danach habe ich mich in meinen neuen Alltag hereingefunden, bzw. mir einen neuen erstellt. Ich habe mit den Fußballspielen angefangen, danach haben die Schulprüfungen, die jeden Freitag stattfinden, begonnen und außerdem habe ich zweimal in der Woche am Nachmittag Sportunterricht. Mein Portugiesisch verbessert sich von Tag zu Tag. Nach 2 Monaten konnte ich schon sehr viel reden und fast alles verstehen. Ich muss aber sagen, dass ich dies ohne Sprachunterricht (ca. 2 Monate) in Deutschland wohl nicht so schnell geschafft hätte. Zudem spricht meine Familie kein Englisch und Spanisch. Dies ist aber sicherlich ein Vorteil für mich, da ich von Anfang an Portugiesisch sprechen musste.

Schüleraustausch BrasilienMit meiner Familie habe ich mich auf Anhieb verstanden und mein Bruder, mit dem ich in die gleiche Klasse gehe und mir ein Zimmer teile, wird jeden Tag mehr zu einem richtigen Bruder. Meine Schwestern haben immer sehr viel zu erzählen und ich leiste regelmäßig Hilfe bei den Hausaufgaben. Jeden Tag haben wir sehr viel Spaß. Wir haben ein sehr gutes und offenes Verhältnis. Meine Familie hat mir am Anfang sehr geholfen in das brasilianische Leben hineinzukommen.

Nun, Anfang Juli, merke ich, dass ich schon so viel Neues erlebt habe, so viele neue Leute kennen gelernt habe, gereist bin und mich an das Leben gewöhnt habe.

Außerdem habe ich wegen der WM wahrscheinlich den richtigen Moment für den Austausch gewählt. Seit Mai merkt man, dass Brasilien für die WM bereit ist. Täglich gibt es Vorberichte, es wird spekuliert, die Tage werden heruntergezählt.

Letzte Woche ging es dann endlich los. Brasilien gegen Nordkorea. Ein ganzes Land hält für 90 Minuten den Atem an. Alle Läden haben geschlossen. Nach den beiden Toren gehen tausende von Raketen hoch, nach dem Gegentor totale Stille. Erst nachdem das Spiel aus ist, kreisen wieder alle Autos, diesmal aber hupend, durch die Stadt. Den nächsten Tag wird in der Schule, auf der Arbeit etc. über das Spiel diskutiert. Richtig zufrieden ist man nicht, man hat zwar drei Punkte und ist Erster, aber man ist ganz und gar nicht über die Spielweise der Brasilianer zufrieden. Zusammengefasst ist die Zeit während der WM schon anders. Alle Spiele werden übertragen, inklusive Vorberichte. In der Schule gibt es nur ein Gesprächsthema. Aber die WM hat ja noch so einiges vor sich...

Während die Zeit mit der WM so verfliegt,  wie auch letzte Arbeiten, sehe ich, dass die Ferien auch schon vor der Tür stehen. Ich werde den ganzen Juli frei haben. Mein Onkel hat mich eingeladen, für eine Woche mit ihm zu seinen Eltern zu reisen, in eine andere Stadt Brasiliens (ca. 1000 km nördlich von Goiania).

Aber jetzt wird erstmal bei der WM mitgefiebert...