Dario über Gastfamilie, Schule und Kultur in Finnland
Ich hoffe dieser Bericht wird einige dazu bringen nach Finnland zu kommen, da ich persönlich schon nach ca. zwei Monaten von mir sagen kann, dass ich dieses Land und seine Bewohner sehr zu schätzten gelernt habe!!
1. Gastfamilie
In meinem Falle hatte ich sehr großes Glück mit meiner Gastfamilie. Es sind sehr liebenswürdige Menschen, die viel mit mir unternehmen, mir mit der Sprache und der Organisation meiner Hobbys helfen. Meine Gastgeschwister sind inzwischen für mich wirklich wie Geschwister geworden. Auch liegt das Haus in einer für mich sehr günstigen Gegend, nahe des Zentrums von Helsinki.
2. Schule
Zu meinem Erfahrungsbericht aus der Schule muss ich vorneweg klarstellen, dass ich auf einem Musik-Gymnasium bin, und künstlerische Schulen immer etwas anders sind als "normale Schulen".
Viele werden wahrscheinlich schon gehört haben, dass das finnische Schulsystem zu einem der besten auf der Welt gehört. Das kann ich hundertprozentig bestätigen!! Man sollte sich von dem anfänglichen scheinbar herrschendem Chaos nicht verwirren lassen. In meiner finnischen Schule schien es anfangs als ob Organisation höchstens etwas Zweitrangiges sei, aber wenn man etwas braucht oder Probleme hat wird einem sofort geholfen.
Auch bringt dieses scheinbare Chaos mehr Ruhe in den Schulalltag was dazu führt, dass man entspannter arbeiten kann. Die fremde Sprache ist auch kein Problem da die meisten Lehrer einem den Unterrichtsstoff, dann noch einmal auf Englisch erklären, oder man fragt einen Banknachbarn nach Hilfe.
Die Finnen sind zwar oft schweigsame, aber äußerst hilfsbereite Menschen und fast alle können gut Englisch.
Das führt dazu, dass man kaum Probleme in der Schule haben sollte, z. B. hat mein Englischlehrer denn Unterricht komplett auf Englisch gemacht, und auch meine Mathelehrerin hat mir alles extra erklärt und für mich den Test am Ende des Kurses auf Englisch gemacht. Und selbst wenn mal was passiert wie z. B. ihr kommt zu spät in den Unterricht, oder gar nicht, dann wird sich auch niemand beschweren, da jeder weiß, dass man Austauschschüler ist und mal etwas falsch verstehen kann!
Hier ein paar weitere Informationen zur Schule:
• es herrscht ein Kurssystem mit freier Auswahl über die Fächer
• ein Kurs dauert sechs Wochen, die siebte Woche ist eine Klausurwoche, in der zu jedem Kurs eine Klausur von 3 Stunden geschrieben wird (keine Sorge: die Klausuren sind gut machbar und auch hier wird alles sehr relaxt angegangen)
• das Schuljahr ist in 5 dieser Kursperioden eingeteilt und am Anfang eines jeden so genannten "jakso" wird ein neuer Stundenplan für jeden mit neuen selbstgewählten Fächern erstellt
• jeder hat seinen eigenen Stundenplan und darf die Fächer selbst auswählen
• feste Klassen wie in Deutschland gibt es nicht
• die Schulstunden sind 75 min lang
• es gibt kostenloses Mittagessen für jeden (nicht immer gut!)
• im Falle eines Problems REDEN!
3. Kulturelle Unterschiede
Zu diesem Punkt kann ich sagen, dass es zwar wahr ist, dass Finnen anfangs verschlossen und schweigsam sind, aber sobald man einmal das Eis gebrochen hat, werden sie zu sehr treuen Freunden, auch wenn sie immer etwas verschlossener wirken werden als Mitteleuropäer. Wovon man sich aber keinesfalls abschrecken lassen sollte!
In Finnland sind die Leute auch meistens direkter und ehrlicher, es ist daher kein Problem, wenn man ganz offen sagt, dass einem etwas nicht gefällt, es ist eher ein Problem, wenn man Dinge, Probleme nicht anspricht, da ein Finne weniger nachfragen wird, sondern eher davon ausgeht, dass man sich selber meldet.
Aber wenn man sich von ein paar Unterschieden nicht abschrecken lässt und nicht nach etwas Deutschem sucht (auch wenn ziemlich viele Leute in Finnland Deutsch zumindest verstehen!) und einfach versucht zu leben statt zu überleben, dann wird das Jahr in Finnland unvergesslich!!!




