„Erin go bragh!“ – Ireland forever!
Anna war AYUSA Austauschschülerin in Dublin
Wer hätte gedacht, dass es irgendwann wirklich so weit sein würde… Ich wohl am allerwenigsten. Doch als ich dann im Flugzeug nach Dublin saß, konnte selbst ich es allmählich glauben: es lagen vier Monate auf der grünen Insel vor mir, in der wunderschönen Metropole Dublin, der Stadt mit den gelben Doppeldeckerbussen. Das Gefühl, plötzlich frei zu sein von allem was einen bisher festgehalten hat, in ein Land zu fliegen, das bisher nur ein winziger Fleck auf der Weltkarte war und ein vollkommen neues Leben dort zu leben, ist überwältigend.
Als ich schließlich dort landete, kam ich mir vor wie ein vollkommen anderer Mensch. Plötzlich war es kein Problem mehr, auf Menschen zuzugehen, und schon am Flughafen lernte ich die Menschen kennen, die mich durch die ganze Zeit in Irland begleiten sollten.Ich muss sagen, der Anfang war nicht einfach: meine Gastfamilie, bestehend aus einer Frau und ihrem erwachsenen Sohn, interessierte sich nicht besonders für mich, das Haus war (nett gesagt) nicht besonders sauber und ich hatte mit Heimweh zu kämpfen. Außerdem ging ich auf eine Mädchenschule, die weisse Kniestrümpfe verlangte und in der es etwas strenger zuging als ich es von zuhause gewohnt war. Ich wurde die ersten zwei Wochen von den Mädchen dort fast komplett ignoriert und die Stunden bis halb vier erschienen mir endlos.Aber, so komisch das jetzt klingt, es ging mir gut dabei: denn jeden Tag merkte ich, wie ich etwas Neues lernte, wie ich lernte mit Dingen klarzukommen, mich an sie zu gewöhnen und sie als anders, aber nicht schlechter zu akzeptieren. Schließlich wechselte ich die Familie, und von da an ging es steil aufwärts. Wie gesagt hatte ich schon von Anfang an Freunde um mich, und die Gruppe ist ständig gewachsen. Fast jeden Tag war ich mit einigen von ihnen unterwegs, am Meer, im city centre, fish and chips essen, im größten shopping centre Europas usw usw.
In der „midtermbreak“ (einwöchige Ferien) sind wir zu siebt mit Rucksack und Busticket durch Irland gereist: Galway, Killarney, Cork, Limerick, Skibbereen, Kilkenny. Es war die schönste Woche, die ich mir vorstellen könnte! So viel Neues gesehen, ausprobiert, erlebt, Freiheit geschnuppert, und das alles mit wunderbaren Menschen in einem wunderschönen Land. Während der zweiten Halbzeit wurde alles etwas mehr zum Alltag, alles hatte sich eingependelt und ich führte zu meinem eigenen großen Erstaunen plötzlich wirklich ein neues Leben, das ich mir mehr oder weniger selbst aufgebaut hatte. Erst als meine Abreise kurz bevorstand merkte ich, wie sehr mir dieses Land und seine Leute eigentlich ans Herz gewachsen waren – selbst von meiner katholischen Mädchenschule wollte ich mich nicht trennen! Inzwischen hatte ich die Art, mit der Lehrerinnen und Schülerinnen miteinander umgingen zu schätzen gelernt, auch den sehr viel praxisbezogeneren Unterricht und insgesamt die Atmosphäre, die so ganz anders ist als auf einer gemischten Schule. Tja, doch auch meine Zeit in Dublin ging zu Ende und mit einem letzten Smoothie am Flughafen verabschiedete ich mich von der kleinen Insel, die mein Zuhause geworden war.
Was also kann ich insgesamt sagen über meinen Aufenthalt? Es waren die intensivsten, ereignisreichsten Monate meines bisherigen Lebens. Vielleicht bin ich eine Ecke näher zu meinem „Ich“ gekommen, vielleicht bin ich weiter entfernt als je zuvor. Vielleicht habe ich etwas mehr Sinn im Leben gefunden, vielleicht war es auch nur eine vorbeiziehende Erfahrung. Fest steht, ich habe wach in die Welt geblickt, die Dinge in mich aufgesogen, leben gelernt. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wie oft hatte ich das Gefühl frei durch die Luft zu fliegen, Loopings machend und voll von Energie, wie oft das Gefühl einer nicht allzu sanften Landung.
Ich habe gelernt wie es ist, alleine zu sein.
Ich habe gelernt, auf andere Menschen zuzugehen.
Ich habe gelernt, mich zu überwinden.
Ich habe gelernt, dass man sich an alles irgendwie gewöhnt.
Ich habe Freunde gefunden, die in meiner Zeit dort wichtiger geworden sind als alles andere, Menschen denen ich alles anvertrauen konnte, auf die ich mich verlassen konnte und mit denen ich vor allem so viel Spaß hatte, dass ich jetzt noch lächeln muss, wenn ich nur an sie denke.
Die vielen Erfahrungen dort haben mich so viel selbstsicherer und stärker gemacht, und ich möchte keine einzige, sei es eine gute oder schlechte, missen. An alle die noch zögern: gebt euch einen Ruck, ihr werdet es nicht bereuen!




