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Annemarie nimmt Abschied

Ich verließ Akita eine Woche vor meiner Heimkehr, um noch einmal meine alte Gastfamilie in Yokohama und meine Freunde in Tokyo zu besuchen und mich von ihnen verabschieden zu können.


Schüleraustausch JapanAm Bahnhof von Akita verabschiedeten mich an einem Montagmorgen meine Gastmama, die Oma, zwei Schule schwänzende Lehrer, dazu der Direktor und die gesamte Truppe von meinen Naginata-Sport-Club, die einige Probleme hatten sich vor dem Lehrer zu verstecken, der sich nämlich selbst versteckt hatte, um mich zu überraschen ;-) Ich bekam zwei riesige Tüten voller Süßigkeiten aller Art und von jedem ein Abschiedsgeschenk, wir verabschiedeten uns und dann sollte auch schon der Shinkansen losfahren. Ein paar letzte Worte und winkende Hände. Und als ich dann im Zug saß, begann ich voller Neugier alle Geschenke und Briefe zu öffnen und dazu die CD zu hören, die ich am Vortag extra noch für die Fahrt geschenkt bekommen hatte.

Es war ein Abschied. Aber obwohl ich natürlich auch traurig war, war dies einer der schönsten Momente meines Lebens. Im Shinkansen zu sitzen, und daran denken zu können, dass man Leute auf dieser fernen, weiten Welt gesucht und gefunden hat, die sich für einen interessiert haben und dabei auch Menschen sind, die einen für eine lange Zeit in guter Erinnerung halten werden, genauso wie ich sagen kann, dass ich unglaublich dankbar dafür bin, diese Leute alle kennen gelernt zu haben. Ich wurde einfach so aufgenommen, in ihren Kreis. Es gab keine Tränen bei diesem Abschied. Es war nicht genug Zeit gewesen, aber wie gesagt, sie wissen, dass ich sicher wiederkommen werde. Es ist kein Abschied für immer, ich bin noch nicht aus der Welt. J

Es mögen viele Unterschiede in den verschiedenen Völkern zu liegen, wohl besonders wenn man dann an Japan denkt. Aber was man leicht übersieht, dass man auch Gemeinsamkeiten entdecken kann. Ich hatte so viel Spaß zusammen mit meinen neuen Freunden dort. Egal ob in Tokyo, Yokohama, Akita oder sonst wo. Japaner scheinen das meiste genau ‚‚umgekehrt’’ zu machen, wie wir, aber es gibt fast immer mehr als nur einen Weg. Man sollte versuchen mal aus seinem eigenen manchmal sturen Denken herauszukommen. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden. Und als ich mich verabschiedete, so habe ich nie gezweifelt, dass es auch ein Wiedersehen geben wird und bis dahin will ich mir die vielen Erinnerungen erhalten.

Obwohl ich sicherlich auch viele Probleme mit den häufigen Gastfamilienwechseln, Druck, der auf mir lastete usw. gehabt habe, hört man mich heute trotzdem nur positiv über dieses eine Jahr reden. Die meisten Erinnerungen sind irgendwie gut geworden, auch wenn einiges auch schief gegangen sein sollte. Und ich möchte auch nicht ohne diese Erfahrungen leben, denn irgendwo haben sie mich weitergeführt, nicht nur zu den lieben Menschen, die ich danach treffen durfte, sondern auch zu neuen Denkansätzen. Ich möchte mich für Fehler entschuldigen, verzeihen, aber rückgängig machen kann ich sie auch nicht. Das habe ich früher oft nicht eingesehen. Außerdem bin ich stolz auf mich niemals aufgegeben zu haben, nicht einmal daran gedacht zu haben, egal was auch passiert ist, ich habe es genossen und meine Ziele erreicht.

Ob es noch irgendetwas Wichtiges gäbe, was ich in Japan gemacht haben wollte, bevor ich wieder nach Hause muss, fragte mich Yukiko, einen Tag vor meiner Rückkehr.
Mir ist nichts mehr eingefallen.

Nach über 4 Monaten nach meiner Rückkehr habe ich zum ersten Mal eine Freundin in Akita angerufen. Es ist schon erstaunlich, man drückt ein paar Knöpfe auf dem Telefon und plötzlich ist sie wieder da. Fast wie nebenan. Klar und deutlich höre ich dann ihre Stimme. Und wir schwelgen in unseren Erinnerungen.