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Simone zwischen FIESTA und SIESTA
 

... habe ich ein halbes Jahr in dem wunderschönen, andalusischen „pueblo blanco“ Moguer gelebt. Ich hatte schon länger daran gedacht, ins Ausland zu gehen, und Spanien, mit seinem tollen Lebensstil und der schönen Sprache, hat mich schon immer interessiert.

In meiner deutschen Schule wurde kein Spanischunterricht angeboten und so nahm ich an einem Spanischkurs teil, welcher mich ganz gut vorbereitete. Als ich dann endlich in meiner Gastfamilie ankam und auch noch einige Zeit danach, hatte ich dann doch noch so manche Schwierigkeiten, die Einheimischen zu verstehen, vor allem durch den starken andalusischen Akzent, über den mir nachher gesagt wurde, wenn man den verstände, verstände man alles.

Also ließ ich mich nicht entmutigen und „poco a poco“ wurde es immer besser. So langsam schlich sich auch bei mir der andalusische Akzent ein, was Freunde und Familie öfters zum Schmunzeln brachte. Ich habe versucht mich bei jeder Gelegenheit in ein Gespräch mit einzubringen (wobei das am Anfang natürlich sehr schwierig ist, vor allem wenn es größere Gruppen sind) und die Leute anzusprechen. Wenn man offen auf die Leute zugeht und ihnen zeigt, dass man sich Mühe gibt, nehmen sie einen nach meinen Erfahrungen gerne mit in ihren Freundeskreis auf.

Schüleraustausch SpanienIch hatte sehr viel Glück mit meiner Gastfamilie, die relativ groß, sehr nett und lustig war. Als es für mich noch „Sommer“ war, bin ich jedes Wochenende mit meiner Gastschwester, ihrem Freund und meinen Freunden an den nicht weit entfernten Strand gefahren, was echt super war. Noch bis Anfang November hatten wir Temperaturen bis zu 25° C. Im Winter war es für deutsche Verhältnisse auch nicht wirklich kalt. Da wir jedoch in unserem Haus nur 2 elektrische Heizungen hatten, wurde es dann doch schon ein bisschen ungemütlich, vor allem wenn es dazu noch tagelang geregnet hat. Dagegen half nur, dem Regen zu trotzen oder sich mit dem Rest der Familie auf dem Sofa unter die wärmenden Decken und an die Heizung zu kuscheln. Mit meinem 19-jährigen Gastbruder (der jüngste unter seinen 4 Schwestern) habe ich oft was unternommen. Er hat mich an meinem ersten Abend gleich auf eine Fiesta mitgenommen, mich am ersten Schultag begleitet und in seinen Freundeskreis integriert. Weihnachten und Silvester mit der ganzen Familie waren auch besonders interessante und schöne Erlebnisse.

In meiner Klasse wurde ich sehr lieb aufgenommen und hatte immer einen sehr lustigen Schulalltag, nicht zuletzt durch das Temperament meiner Mitschüler und dem doch sehr lockeren Verhältnis zu den Lehrern.  Es wurde viel gesungen und gelacht. Mir wurden auch einige Lieder beigebracht, unter anderem natürlich die andalusische Hymne.

Ein weiterer schöner Einblick in das spanische Leben war mein Sevillana-Tanzkurs. Mit meiner Familie hatte ich sehr viel Spaß beim Singen, Tanzen und Gitarre spielen und am Ende haben sie mir ein Flamenco-Kleid geschenkt. In der Spanisch-Stunde haben wir meinen Geburtstag gefeiert. Die große Überraschung war, dass der Musiklehrer mit der Gitarre und einige meiner Mitschüler „Happy Birthday“-singend hereinkamen. Es gab Kuchen und Musik und alle waren in sehr ausgelassener Stimmung. Danach gab es natürlich am Freitag noch eine Geburtstags-Fiesta, aber Fiesta war ja nichts Neues; es gab nicht ein einziges langweiliges Wochenende ohne irgendeine Fiesta.

Ich habe die Spanier als sehr spontan, ausgelassen, temperamentvoll, aber auch entspannt kennen und lieben gelernt. Ich konnte es nicht fassen, als meine Tage in diesem wunderbaren Land, von dem ich zwischendurch auch schon mehr gesehen hatte (durch Sevilla- und Madrid-Touren zum Beispiel) immer weniger wurden, denn nach dieser einzigartigen Zeit fühlte ich mich schon richtig zu Hause dort, hatte tolle Freunde gefunden, und fing an, schon teilweise in Spanisch zu träumen. Einen richtigen Tiefpunkt hatte ich nie und so ging die Zeit viel zu schnell rum.

Nach einer tollen Abschieds-Fiesta mit allen meinen „amigos“ fiel es mir sehr schwer zu gehen, aber ein herzlicher Empfang in Deutschland milderte die Trauer. Außerdem: Die Tickets nach Sevilla für die Osterwoche sind ja schon bestellt!

Ein großes Dankeschön geht auch an Ayusa und Oléspain,  ohne deren Hilfe und Unterstützung es nicht dasselbe   gewesen wäre.

Olé, viva Andalucía !
Simone