Liebe Frau Lippmann,
lang, lang ist’s her… jetzt sind schon mehr als zwei Jahre vergangen, dass ich von meinem „Abenteuer USA“ wieder zurück zu Hause bin. Ich habe zehn Monate in Webster City, Iowa verbracht. Dort habe ich auf einer Farm gelebt, wo der nächste Nachbar wirklich ca. eine Meile entfernt gewohnt hat. Dass hat aber nicht weiter gestört, da man binnen zehn Minuten Auto fahren in Webster City war.
Wenn auch die Chemie mit meiner Gastfamilie nie zu hundert Prozent gestimmt hat und daher auch heute fast kaum noch Kontakt besteht, wird mich mein Austauschjahr in zwei Dingen mein ganzes Leben lang begleiten. Zum einen habe ich dort mein Interesse für Psychologie entdeckt, da ich dort die Chance bekam, Psychologie zwei Semester lang in der Schule zu belegen.Diese zwei Semester haben mir diese besondere Wissenschaft näher gebracht und mir ist klar geworden, dass ich Psychologie studieren will. Nach langem, zweijährigem Kampf um den NC in der Oberstufe, hielt ich dieses Jahr im Juni endlich mein Abschlusszeugnis in der Hand und im August bekam ich von meiner „Traum-Uni“, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die heiß ersehnte Zusage für Psychologie. Nächste Woche sind Einführungstage und ich bin schon ziemlich nervös, wie mein neuer Lebensabschnitt so aussehen wird. Aber als Austauschschüler hat man ja gelernt, sich schnell an neue Begebenheiten zu gewöhnen.
Die zweite Erinnerung an mein Austauschjahr, die mich wohl mein ganzes Leben wortwörtlich „begleiten“ wird, ist mein Freund Travis. Als in meiner High School Prom vor der Tür stand, hatte ich zwar schon Pläne mit meinen Freundinnen geschmiedet, doch nix da, völlig aus dem Kalten fragte mich Travis eines schönen Tages kurz bevor der Unterricht losging, ob ich mit ihm zum Prom gehen würde. Nach kurzem (oder langem) Hin- und Her-Überlegen, warf ich kurzerhand die Pläne mit meinen Mädels über Bord und hatte nun ganz offiziell ein „Promdate“. Unser Abschlussball war typisch amerikanisch, aber trotzdem wunderschön. Nach meinem Austauschjahr standen Travis und ich in regelmäßigem E-Mail-Kontakt und irgendwann haben wir angefangen, jeden Tag zu chatten. Letzten Sommer bin ich dann nochmal „rüber“ geflogen und da hat es dann so richtig gefunkt. Seitdem skypen wir jeden Tag. Wir versuchen uns natürlich so oft wie möglich, zu besuchen; allerdings beschränkt sich das meist auf zweimal pro Jahr, da aus Geld- und Zeitgründen viel mehr nicht drin ist. So habe ich Weihnachten letztes Jahr bei ihm verbracht und er diesen Sommer bei mir. Dieses Jahr wird Travis mal die deutschen Weihnachtstraditionen kennen lernen und so sind es keine drei Monate mehr, bis ich „meinen Ami“ wieder in die Arme schließen kann.
Seinen Besuch diesen Sommer haben wir natürlich gleich dazu genutzt, dass er mich auch zu meinem Abschlussball begleiten kann. Im Moment lernt Travis fleißig Deutsch, damit er, wenn alles klappt, im nächsten Sommer eine Ausbildung in Deutschland beginnen kann und nicht mehr diese nervigen 7.000 Kilometer zwischen uns liegen.
Und wem habe ich diese beiden wunderbaren „Souvenirs“ zu verdanken?! Richtig, natürlich nur Euch, dem AYUSA-Team. Dafür nochmal ein riesengroßes Dankeschön. Ihr wart bei Fragen und Problemen immer für mich da und auch in den USA bin ich super betreut worden.
Ganz vielen Dank und macht weiter so,
Eure Denise (2007/2008)



