Gastbloggerin Sarah: Abschied nehmen vom Au pair Leben – Teil 2

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„Ihrem Baby“ Tschüss zu sagen, war für Sarah besonders schwer. (c) Sarah Reichenstein

„Ihrem Baby“ Tschüss zu sagen, war für Sarah besonders schwer. (c) Sarah Reichenstein

Sarah war für ein Jahr Au pair in den USA und lebte in der Nähe von Washington D.C. In ihrem Blog berichtet sie für alle Wunsch-Au pairs, fast-Au pairs, Ex-Au pairs und alle, die einfach gerne lesen von ihrem spannenden Jahr in den Vereinigten Staaten. Da auch die schönsten Momente im Leben ein Ende haben, berichtet Sarah in diesem zweiteiligen Gastbeitrag von ihrem schweren Abschied. Im ersten Teil hieß es das emotionale und auch koffertechnische Innenleben in Ordnung zu bringen. Heute geht es eher ans Eingemachte und um die Frage „Wo ist mein Jahr hin?“

Abschiedsparty mit Tränengarantie

Meine emotionale Instabilität wurde bei meiner Abschiedsfeier dann unzumutbar auf die Probe gestellt. Meine Gasteltern halfen mir super lieb, alles vorzubereiten, haben mir eine köstliche Schwarzwälder Kirschtorte aus der „German Bakery“ spendiert und sogar etwas kleines zum Abschied geschenkt. Ich bekam den Geburtsstein des Babys und das Symbol des Lebenspfads, beides als Armbänder verarbeitet. Und dann bleib mal bitte im Pokerfacemodus. Mal ganz ehrlich: Wie sollte ich überhaupt Abschied von dem Baby nehmen? So viel geküsst und in die Arme genommen hatte ich ihn schon lang nicht mehr. Ich fühlte mich, als würde ich den wichtigsten Teil meines Amerikaalltags (abseits meiner täglichen Standartportion Frozen Yogurt) abgeben müssen. Ob ich dafür bereit war oder nicht.

Frozen Jogurt als Emotionsanzeige

Frozen Jogurt spielte bei dem ganzen Trubel übrigens eine ziemlich interessante Rolle. Mit meinem FrozenYogurtBuddie Sandra wurde der innere Stand unserer Emotionalität anhand der Größe der Becher veranschaulicht. Rot für Normalfälle, grün für unbedingt zu diskutierende Vorfälle und der blaue Jumbobecher für emotionale Katastrophen. Hieß es also „Sarah, heute brauch ich einen blauen Becher!“, wusste man gleich, hier ist Gesprächsstoff im Anmarsch!

Oh Schreck: Die Au pair ToDo-Liste

Ein innerer Drang in der Phase des Realisierens betraf unter anderem auch meine gedanklich erstellte ToDo-Liste. Neben tausend unvollständig verarbeiteten Reisemonatsplanungen (man denkt nie, wie viel Vorbereitung da wirklich auf einen zu kommt!) klopfte da mal wieder die Zeit unbarmherzig an die Türe. Und so fiel einem in den letzten 24 Stunden vor Beginn des Reisemonats ein, dass man ja noch nie auf dem Washington Monument war, der letzte Cheesecake schon eine bedenkliche Ewigkeit zurück liegt und man sowieso schon immer mal ein Picknick vor dem Capitol machen wollte. Ist ja schließlich nicht so, dass man dafür ein ganzes Jahr lang Zeit gehabt hätte!

Je voller man sich die letzten Tage mit eben jenen Aktivitäten belädt, desto schneller verfliegt natürlich die Zeit. Und am Ende steht man mit zwei gepackten Koffern, einem Kissen mit halblegaler Kleiderfüllung und ganz vielen Erinnerungen im Gepäck vor der Haustüre, umarmt seine Gastfamilie, weint die letzten Tränen und fragt sich: „Wo ist mein Jahr hin?“

– Sarah Reichenstein –