Gastbloggerin Sarah: Abschied nehmen vom Au pair Leben – Teil 1

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Auf (ein) Wiedersehen Amerika! (c) Ayusa-Intrax

Sarah war für ein Jahr Au pair in den USA und lebte in der Nähe von Washington D.C. In ihrem Blog berichtet sie für alle Wunsch-Au pairs, fast-Au pairs, Ex-Au pairs und alle, die einfach gerne lesen von ihrem spannenden Jahr in den Vereinigten Staaten. Da auch die schönsten Momente im Leben ein Ende haben, berichtet Sarah in diesem zweiteiligen Gastbeitrag von ihrem schweren Abschied.

Packen – mein liebster Freund

Das Packen und ich waren noch nie enge Freunde. Wie der Besuch beim Zahnarzt wird eben jenes Problemthema herausgezögert, bis das Gewissen mit dem Blick aufs Zeitmanagement besorgt an die Türe klopft. Oder eben der Zahn weh tut. Gepackt wurde diesmal in Etappen. Das hieß in meinem Fall schön systemlos von links nach rechts, vom Bett auf den Boden und wieder zurück, große und kleine Gegenstände sortiert hingelegt, aus- und eingepackt, verschenkt, weggeschmissen, neu verwertet. Nach fünf Stunden Hin- und Hergeräume war der Koffer immer noch leer und ich tief versunken in einer einst kurzen Belohnungspause mit dem Laptop auf dem Bett.

„Ich hab ja noch Zeit!“

Aber die Zeit trügt, und so stand ich am letzten Abend inmitten eines Haufen Krimskrams, der sich in einem Jahr Amerika so angesammelt hatte und lief gedanklich schreiend mit auf dem Kopf übereinander geschlagenen Händen im Kreis. Bis 5 Uhr morgens muss alles gepackt sein. Gutes Gelingen. Mein Zimmer spiegelte in den letzten Wochen sowieso unglaublich authentisch mein überemotionales Innenleben wider. Manchmal fühlte ich mich echt, als würde mir täglich eine Ladung hochdosierter Schwangerschaftshormone injiziert werden, gefolgt von dem plötzlichen Verlangen, um 2 Uhr nachts YouTube Videos von singenden Katzenbabys und ungeahnten Hochzeitsanträgen anzuschauen und einen größeren Taschentuchverbrauch zu produzieren, als bei der Premiere von Titanic.

Verdrängung meets Knuddelattacken

Die letzten Wochen schwankte ich kontinuierlich zwischen Momenten des Realisierens, in
denen ich mein Baby knuddeln musste, bis er sich protestierend aus meinen Armen wand und Phasen der Verdrängung, in denen ich die heiligen letzten Tage in meinem „Zuhause auf Zeit“ damit verbrachte, den ganzen Nachmittag auf der Hollywoodschaukel  vorbeifliegende Mücken zu zählen. Es gibt wirklich viele Mücken hier, so viel sei gesagt.

– Sarah Reichenstein –

In Teil 2 von Sarahs Gastbeitrag erfährst du, wie ihr Frozen Jogurt über die schwere Zeit half und was letzlich doch dazu geführt hat, das Pokerface an den Nagel zu hängen.