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Britta über eine unvergessliche Zeit

Holaaaaaaaa,
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, wenn ich an Argentinien denke. Es war einfach eine so unvergessliche und intensive Zeit, voller toller Erfahrungen. Alles fing damit an, dass ich am 15. Juni in Frankfurt das Flugzeug nach Südamerika bestieg. Ich war total aufgeregt und traurig, aber auch gleichzeitig gespannt und fühlte Vorfreude auf das, was vor mir lag.

Schon als ich am Flughafen in Córdoba ankam und mit dem Bus zu meinem einwöchigen Vorbereitungstreffen meiner Organisation gefahren wurde, bemerkte ich die andersartige Stimmung, die in Argentinien herrschte. Alles war voller Menschen, auf den Straßen standen Kinder und bettelten um ein paar Münzen, die Sonne schien und alles erschien mir unglaublich lebendig.

AnkerSchüleraustausch ArgentinienTja, und dann begann mein Abenteuer eigentlich auch schon, ohne dass ich es wirklich bemerkte. Wie ich nämlich feststellte, sollte ich die nächste Woche in einem Militärcamp verbringen, in 50 Jahre alten Betten, eiskalten Duschen und zwischen lauter Soldaten, die den ganzen Tag lang durch das Gelände marschierten und Schussübungen abgaben. Trotzdem hatte ich viel Spaß, da wir eine große Gruppe aus der ganzen Welt bildeten und viel über unseren Austausch, die argentinischen Bräuche und Sitten, ihre Vorzüge und Macken lernten, und uns zusammen auf unsere Zeit dort vorbereiten konnten.
Und dann war es auch schon so weit – der große Tag, an dem ich meine Gastfamilie kennen lernen sollte. Natürlich war ich total aufgeregt, das waren wir alle. Ich hatte schon vorher mit meiner Gastmutter telefoniert, schon in Deutschland, und wir hatten uns gleich schon super verstanden und total viel gelacht am Telefon, deswegen war ich etwas beruhigter als die anderen, trotzdem zitterten mir die Hände, als meine Gastmutter mich gleich total herzlich in die Arme schloss.
Zuhause wurde ich dann mit Kuchen und Mate (das argentinische Nationalgetränk) begrüßt. Neben meinem Gastvater, der mich die ganze Zeit mit spanischen Scherzen überschüttete (ich hab einfach mal gelacht, auch wenn ich überhaupt nicht verstanden hab, was er überhaupt gesagt hat), meiner kleinen Gastschwester, mit der ich mir ein Zimmer teilte und meinem gleichaltrigen Gastbruder waren auch Tante, Onkel und Cousin zu Gast, die mich auch gleich total herzlich bei sich aufnahmen und mich über Deutschland ausfragten.
Ich hab mich vom ersten Moment an total wohl und willkommen gefühlt, meine Gastfamilie war einfach super herzlich und wir hatten immer, wirklich IMMER was zum Lachen und Erzählen.

Wenn ich mich unwohl gefühlt habe, oder traurig war, konnte ich das sofort sagen, oder wenn mir irgendwas nicht gepasst hat (auch wenn das eigentlich so gut wie nicht vorkam) und wir saßen abends immer zusammen am Essenstisch und haben uns wirklich teilweise stundenlang über Gott und die Welt unterhalten, waren zusammen im Kino, haben zusammen die argentinischen Spezialitäten nachgekocht, zusammen Tennis gespielt, oder auch einfach mal nur gemalt. Ich hab meine Gastfamilie wirklich in so kurzer Zeit so sehr ins Herz geschlossen und wenn ich heute an sie denke, dann versetzt es mir immer noch einen Stich, weil ich sie so sehr vermisse.
Total toll fand ich auch die Ausflüge, die sie mit mir unternommen haben. Einmal sind wir weiter in die Provinz reingefahren und haben einige Tage auf dem Land verbracht, mit ein paar Freunden von meinen Gasteltern. Da waren wir dann im Fluss baden, haben Asado (Gegrilltes) gemacht und jede Menge gegessen, Gitarre gespielt und gesungen.
Oder ein anderes Mal haben wir eine Estancia (Rinderfarm) besucht, sind in Cordoba die jesuitischen Bauten besichtigen gegangen und nach Buenos Aires gefahren. Buenos Aires hat mich total fasziniert, die Stadt ist einfach soooo riesengroß, man weiß gar nicht, wo man zuerst hingehen soll. Und überall sind ständig Leute!
Und dann hab ich einmal noch eine Klassenfahrt runter in den Süden gemacht, nach Patagonien, wo ich dann Wale und Pinguine gesehen hab, beim Schafe scheren zuschauen durfte, und wo mich das türkisfarbene Meer und das ewig leere Land total beeindruckt haben!!!
Was mich auch ziemlich geprägt hat, war die Armenhilfe, die ich mit meiner Gastmutter gemacht habe. Da sind wir raus aufs Land gefahren, zu einer kleinen Schule mitten in den Bergen und haben den Tag mit den Schülern verbracht. Die haben wirklich nichts, noch nicht mal was zum Anziehen und haben sich total über die alten Spielsachen von Mc Donalds und die abgenutzten Hosen gefreut, die wir ihnen mitgebracht haben. Und trotzdem kamen die mir total glücklich vor und wollten mich gar nicht mehr gehen lassen.
Überhaupt gab es ziemlich viele arme Leute in Cordoba, was mich ziemlich zum Nachdenken gebracht hat. Nebenan gibt es dann nämlich die reichen Viertel meiner Klassenkameraden, die von Securities bewacht werden, in denen man in jedem Garten einen Pool findet und in denen in jedem Haus ein Hausmädchen arbeitet. Also das war echt ein richtig krasser Unterschied.

Mein erster Schultag war natürlich auch ein total aufregendes Erlebnis. Erst musste ich mich in diese schreckliche Schuluniform quälen, dann mitten im Unterricht in die Klasse platzen und einfach alle haben mich die ganze Zeit über angeschaut.
In der Pause kamen dann alle auf mich zugestürmt und haben sich um mich rumgesetzt und mich mit Fragen bombardiert, ich kam mir wirklich vor wie vom Mars. Die wussten einfach NICHTS über Deutschland. Auf dem Schulhof haben mir dann auch alle hinterhergestarrt, wie als ob ich irgendein weltbekannter Star wäre.
Hab mich total gut mit den Leuten aus meinem Kurs verstanden und hab auch ein paar wirklich gute Freundschaften geschlossen, war immer mit einer bestimmten Clique unterwegs, mit denen ich immer lachen konnte, und die sich auch wirklich ernsthaft für mich interessiert haben. Mit dem ironischen Humor der Argentinier kam ich bis zum Schluss kaum zu Recht, das ist wirklich schlimm!!! Man muss immer aufpassen, was ernst gemeint ist, und was bloß aus Spaß gesagt wird!!! Der Unterricht im Allgemeinen war ziemlich lange und ging mir manchmal ganz schön auf die Nerven, weil einfach alle entweder geschlafen haben oder einfach in die Luft geguckt haben und die Schule immer erst um halb 5 zu Ende war. So was wie mündliche Beteiligung gibt es da nämlich nicht. Und in manchen Fächern wurde dann nur mit den Bällen rumgespielt, geschwätzt, Seifenblasen gemacht oder sich die Nägel lackiert,. Kurz, dem Lehrer hat da keiner Beachtung geschenkt.
Am Wochenende ging es dann immer ziemlich ab. Also um elf Uhr abends hat man ungefähr das Haus verlassen, ist auf irgendeine Hausparty gegangen, von der aus es dann so um 1 oder 2 Uhr nachts in die Clubs ging. Nach Hause gekommen bin ich dann meistens immer erst im frühen Morgengrauen. Also im Partymachen können wir Deutschen uns da wirklich noch was von den Argentiniern abschauen… Besonders die Erwachsenen!!! Bei dem Geburtstag meiner Gastmutter wurde ordentlich getanzt und mit Schaum herumgesprüht.

Die Zeit ging einfach viel zu schnell um, und es ist mir total schwer gefallen, wieder nach Hause zu kommen. Ich hab schon 2 Wochen vor Abreise nur noch geheult. Die Argentinier sind einfach so herzliche, nette, witzige, offene Menschen. Ich hab mich einfach nur total wohl gefühlt und wurde super herzlich aufgenommen.
Und ich kann jetzt schon sagen – nach dem Abi geht es wieder hin!!!!
Ich kann wirklich nur allen empfehlen, macht mal einen Abstecher hin, also ich hab mich total in das Land verliebt…
Bueno, Adiós, hasta luego, quizas nos vamos a ver algun día en Argentina!

Britta