Argentinien - Ein Land voller Gegensätze
Ja, Argentinien hat alles. Meer und Berge, Schnee und Wüste, Großstädte und kleine Dörfer. Hier kann man auf jeden Fall ganz viele Eindrücke sammeln und tolle Menschen kennen lernen. Aber erst einmal dazu, was ich so in 8 Monaten Argentinien schon alles erlebt habe.
Spulen wir also zurück ganz zum Anfang, als ich am 18. Juli Abschied von meinen Freunden und meiner Familie genommen habe und weinend aber gleichzeitig auch total aufgeregt in das erste Flugzeug nach Paris gestiegen bin. Dort angekommen, hab ich mich dann auch gleich mit ungefähr 10 anderen Leuten wiedergefunden. Das war gleich alles super, weil wir alle drauf und dran waren, die gleichen Reise anzutreten, und man tauschte hunderte von Sachen aus, von Stadt über Schule bis zur Gastfamilie.
Dann ging es in 13,5 Stunden nach Buenos Aires, das für mich als Landei so so so groß von oben aussah. Dort angekommen trafen wir uns mit ein paar Amerikanern, anderen Deutschen und einem Brasilianer. Dann ging’s im Bus vom internationalen zum nationalen Flughafen, und auf dieser ungefähr eineinhalbstündigen Fahrt konnte man schon die ersten Eindrücke sammeln. In Argentinien sitzen nicht 5 Leute in einem Auto für 5, nein meistens finden sich dort dann so 7 bis 8 wieder, vielleicht auch jemand im Kofferraum, und auf jeden Fall Matetee (Nationalgetränk Argentiniens) trinkend.
Dann schnell in das dritte Flugzeug gestiegen und ab ging’s nach Córdoba, wo unsere einwöchige Vorbereitungswoche stattfinden sollte. Wir hatten alle die Vorstellung von einer Jungendherberge, und als wir dann auf dem Militärcampus ankamen, waren wir doch ein wenig überrascht, vor allem als uns das Einfahrtstor von einem Soldat mit Gewehr geöffnet wurde. Unsere Begrüßung war dann gleich herzlich argentinisch mit einem Kuss auf die Wange und dann konnten wir in unseren Schlafsaal, der aus ca. 40 Stahlhochbetten bestand. Das Gute an diesem ganzen Ambiente war, dass 60 Leute aus den verschiedensten Ländern (sogar Island und Grönland) alle zusammen auf gleichen, wenn auch ein wenig veralteten, Bedingungen zusammenwohnten, sich die kalten Duschen teilen mussten und sich zusammen über die einzige Heizung beschwert haben. So was schweißt zusammen und sowieso allein durch die Tatsache, dass wir alle im gleichen Boot saßen aufgrund der bevorstehenden Erfahrung, schnellstens ziemlich gute Freunde wurden. So wurden wir also von den Tutoren in das argentinische Leben eingewiesen und die Woche in Córdoba verging recht schnell und es gab auch wieder einen tränenreichen Abschied.
Ich wurde von meiner mendozinischen Gastfamilie dort abgeholt (das Aufeinandertreffen ist schwer zu beschreiben, man könnte sagen ein Zusammenbruch der Gefühle), und wir fuhren zusammen zu siebt in einem Auto für 5 zurück nach Mendoza. So lernte ich dann auch gleich ein bisschen die Landschaft Argentiniens kennen. In dem Haus meiner Gastfamilie angekommen (gegenüber von Mc Donald's) war ich einfach nur froh, in einem gemütlichen Bett zu schlafen und endlich angekommen zu sein.
Da meine Gastschwester in meinem Alter ist, wurde ich dann am nächsten Abend gleich ihren 13 Freundinnen vorgestellt, auf einer Pyjamaparty. Dort wurde ich ausgefragt über meine Geschwister, über den 2. Weltkrieg bis zu meiner Lieblingsmusik, von 13 alle durcheinander redenden Mädchen und einem ihrer Brüder, der sich natürlich eher dafür interessierte, ob ich denn einen Freund hätte oder nicht.
So vergingen ein paar Tage bis zu meinem ersten Schultag. Der Tag fing typisch argentinisch an mit: Verschlafen. Also schnell die Uniformen an, den Rest der Familie wecken, ein wenig Kakao und Toasts mit Butter und Zucker und ab ins Auto. Mit dem Herz sehr sehr schnell schlagend hatte ich eigentlich gar nicht so viel Zeit darüber nachzudenken, was denn wohl auf mich zukommen würde. Mit auch typisch argentinischer Genauigkeit kamen wir dann natürlich zu spät. Das Gute war ja, dass ich die ganzen Mädels schon kannte. Allerdings hab ich dann schnell gemerkt, dass meine Klasse aus 20 Jungs und nur 8 Mädchen bestehen würde. Die erste Stunde war dann Religion und der Lehrer hat dann schnell ein paar Daten über mich vorgelesen und es wurden viele Witze über meinen Nachnamen gemacht, über die ich laut mitlachte. In den Pausen wurde ich dann auch viel ausgefragt und konnte mich schon mal an den Humor meiner Klassenkameraden gewöhnen, mit dem ich mich bis heute noch rumzuschlagen habe, was die Mehrheit der Stunden in der Schule allerdings ziemlich lustig macht.
So vergingen dann die ersten Wochen mit Eingewöhnung in der Schule. In meinem Kurs war noch Stefan, auch aus Deutschland, mit dem ich viel über die neusten Eindrücke in Argentinien debattierte. Außerdem war auch noch Yvonne, die Schweizerin, auf meiner Schule, mit der ich bis heute noch viel Zeit verbringe. In der Schule müssen wir uns jede Woche einmal alle im Schulhof zusammenfinden, um die argentinische Flagge hochzuziehen und das Vaterunser zu sagen (katholische Schule). Außerdem wurde uns schnell bewusst, dass in den Stunden viel geredet und gelacht wird und eher weniger gearbeitet, was allerdings auch daran lag, dass sich das Schuljahr dem Ende zuneigte. In meine Familie wurde ich sehr gut integriert. Ich war und bin in meinem neuen Haus nie alleine, es ist immer irgendeiner von meinen kleinen Gastbrüdern da, eines der Elternteile, die Großeltern oder die Angestellte, die auch eher wie ein Teil der Familie ist. Ich hab mich schnell mit meinen drei kleinen Gastbrüdern angefreundet, mit meiner Gastschwester, mit der ich mir ein Zimmer teile, war ich so gut wie fast immer zusammen und man lernte schnell die guten und schlechten Eigenschaften der jeweils anderen kennen.
In dieser Anfangsphase lernte ich dann die typischen Dinge wie Asado (Gegrilltes), Empanadas (gefüllte Teigtaschen) und Matetee kennen. Da es auch die Zeit der Olympischen Spiele in Peking war, schauten wir die Fußballspiele von Argentinien sogar in der Schule. Dies war dann ja auch nicht umsonst, da Argentinien als Olympiasieger vom Platz ging! So wurde ich also auch mit der grenzenlosen Liebe zum Fußball vertraut gemacht.
Die typischen Wochenenden in Argentinien werden damit zugebracht, dass man natürlich erstmal sehr sehr spät zu Abend isst (manchmal schon um 22 Uhr, manchmal aber auch gegen Mitternacht), und sich dann fertig macht, um tanzen zu gehen. Das geht dann so gegen 1 bis halb 2 los bis in die frühen Morgenstunden. Feiern können die Argentinier gut, das muss man ihnen lassen.
Die schönen 3 Monate Sommerferien von Dezember bis März hab ich sehr genossen. Jeden, aber wirklichen jeden Tag Sonne satt, es heißt nicht umsonst "Mendoza, la tierra del sol y del buen vino" (Mendoza, die Erde der Sonne und des guten Weins). Die Sonntage hab ich eigentlich immer mit meiner Gastfamilie auf dem Campingplatz am Schwimmbecken verbracht und dann manchmal mit einem Asado ausklingen lassen, ansonsten spät wieder nach Hause gefahren. Ansonsten ging’s an den Wochenenden immer viel Tanzen oder man traf sich mit Freunden.
So ging’s dann in Mendoza auf die Weinerntezeit zu, was auch Vendimia (Weinlese) als großes Fest mit einschließt. Ich bin auf die Wiederholung dieses Spektakels gegangen, das in dem Amphitheater Mendozas stattfindet, und wo als Theaterstück die Geschichte Mendozas aufgeführt wird, mit typisch mendozinischer Folklore. Zum Schluss wird dann von den schon vorher von jedem Stadtteil ausgewählten Weinköniginnen die richtige Weinkönigin der Vendimia gewählt. Ich glaub ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so ein riesiges Feuerwerk gesehen.
Nun bin ich wieder in der Schule und der Alltag nimmt seinen Lauf. Mit meinen Klassenkameraden komm ich super klar, obwohl immer noch Scherze über mich gemacht werden, aber ich glaub, damit müssen sich alle Austauschschüler abfinden. Ich bin sehr glücklich mit meiner Gastfamilie und fühl mich wirklich wie ein Teil von ihr. Ich hab lange Zeit gebraucht, um mich einzugewöhnen, aber ich kann nur sagen, es lohnt sich, sich den anderen gegenüber zu öffnen, dann hat man es wirklich leichter. Zum Schluss kann ich noch hinzufügen, dass man eigentlich zu kaum etwas "Nein" sagen sollte, was einem von Familien und Freunden angeboten wird, denn so wird man super viele und tolle Dinge erleben. Und auch, wenn man seine Zeit nicht immer super verbringt, denn so ein Austausch ist ein Auf und Ab der Gefühle, dann lernt man trotzdem eine Menge dazu.
Ich wäre froh, wenn sich dieses Jahr wieder viele von euch für einen Austausch nach Argentinien entscheiden, das Land und seine Menschen sind toll! Natürlich gibt es immer Ausnahmen und Macken, das will ich gar nicht verherrlichen, aber Argentinien lohnt sich!
Les mando muchos besos y abrazos de Argentina!
Chau,
Marie :)






