Unvergessliches Abenteuer “Japan”
Japan – Ein Land, bei dem die meisten sofort an das Unmögliche denken. Eine Sprache, die man kaum erlernen kann. Essen, woran man sich nur sehr schwer gewöhnt. Menschen, mit denen das Zusammenleben aufgrund völlig unterschiedlicher Kulturen unheimlich kompliziert werden kann. Wer jedoch mit dem Gedanken gespielt hat, dieses Land zu besuchen, von diesen Ängsten allerdings geplagt wird, sollte sich das ganze nochmal überlegen – Denn Japan ist eine Erfahrung, die man in seinem Leben unbedingt gemacht haben sollte!
Schon die Anreise gestaltete sich als wahres Abenteuer – Da ich nicht alleine, sondern mit mehreren Ayusa-Reisenden ins Flugzeug steigen durfte, entwickelte sich der insgesamt 14 Stunden-lange Flug zu einer einzigen Unterhaltung, in deren Verlauf jeder seine Erwartungen äußerte und teilweise schon mit Japanischkenntnissen protzte. Als das Flugzeug dann aber letztendlich in Narita, Japan, landete, waren wir alle vollkommen aufgeregt und gespannt, was uns erwarten würde.
Kurose-San, eine sehr nette Mitarbeiterin von Ayusa Japan, begrüßte uns mit ihrem beeindruckenden Sortiment an deutschen Wörtern und half uns im Land der aufgehenden Sonne erstmal Fuß zu fassen. Gemeinsam fuhren wir in ein nahe gelegenes Hotel, wo wir uns vom anstrengenden Flug ausruhen durften und gleichzeitig schon mit einigen Sitten des japanischen Lebens vertraut gemacht wurden.
Nach einigen Tagen fuhren wir mit dem Bus ins riesige Tokio, das vor allem beim ersten Anblick für offene Kiefer sorgte. Hier wurde den meisten das erste Mal klar, dass sie ihr großes Ziel erreicht hatten – Sie waren in Japan! Dem Land ihrer Träume!
Kurose-San führte uns zum Hauptquartier von Ayusa und stellte uns hier Nemoto-San vor, der uns mit weiteren, wichtigen Informationen über den japanischen Alltag ausstatte und während einer kurzen Führung durch die Stadt einige Praxis-Beispiele präsentierte. Zwar freuten wir uns alle über solch einen hilfreichen Einstieg ins japanische Leben, konnten aber gar nicht mehr erwarten unsere Gastfamilien kennen zu lernen – Und letztendlich kam der große Tag, an dem unsere deutsche Gruppe getrennt wurde und das wahre, japanische Leben für uns begann!
Es sollte niemanden wundern, dass ich unheimlich aufgeregt war. Immerhin würde ich in Kürze die Menschen kennen lernen, die mich für einige Monate in ihr Heim aufnehmen und mich auf meinem Weg durch Japan tatkräftig unterstützen. Auch wenn ich vorher schon Telefonate mit meiner Gastfamilie geführt und sogar schon einige Mails geschrieben hatte, verspürte ich eine schreckliche Angst – Was wäre, wenn es sich um vollkommen unfreundliche Menschen handelte, die sich wie wahre Monster aufführten?
Als mich meine Gastmutter Michiyo, mein Gastvater Susumu und meine Gastschwester Hazuki dann allerdings am Bahnhof abholten, waren jegliche Sorgen verflogen – Auch wenn die Kommunikation aufgrund meiner mäßigen Japanischkenntnisse eher schwer fiel, konnte ich mich mit meinem Gastvater auf englisch unterhalten. Nachdem sie mir alle wichtigen Orte ihres Hauses gezeigt und mich in meinem neuen Zimmer eingewiesen hatten, folgte ein riesiges, wohlschmeckendes Willkommensessen, das ich wohl mein gesamtes Leben nicht vergessen werde! Ich wurde nicht nur den unglaublichen Köstlichkeiten Japans vorgestellt, sondern wurde von einer wundervollen Familie wärmstens empfangen – Nun erschienen mir jegliche Sorgen, die ich mir anfangs gemacht hatte, wie verflogen!
Nachdem Michiyo und Hazuki mir die Umgebung gezeigt, mich durch alle Einkaufshäuser des relativ kleinen Ortes Okegawa, nahe Tokio, geführt und mich allen Nachbarn vorgestellt hatten, folgte meine nächste Herausforderung: Das selbstständige Erkundung meines neuen Wohnortes! Wie es sich für einen richtigen Auslandsaufenthalt gehört, fanden sich hier abermals viele Ängste – Würde ich mich verständlich machen können, wenn ich mich mal verlaufe? Würden die Japaner mich verstehen? Und wie würden sie überhaupt auf mich reagieren?
Hier wurde ich abermals auf wundervolle Art und Weise positiv überrascht. Zunächst wurden meine Versuche japanisch zu sprechen (was sich zu dieser Zeit noch auf die grundlegendsten Dinge belief) von japanischen Kassierern applaudierend in Empfang genommen. “You're Japanesse is really good!” - So was hört man doch gerne! Da die meisten Japaner ein großes Basiswissen der englischen Sprache besitzen, musste ich mir bei der Kommunikation also keinerlei Sorgen machen. Und als mich ein wildfremdes, junges Mädchen lächelnd fragte, ob sie mit mir ein Bild machen darf, fragte ich mich, wieso ich mir überhaupt solche Sorgen gemacht hatte – Selten hatte ich solch nette und zuvorkommende Menschen getroffen.
Mein Auslandsaufenthalt galt allerdings nicht nur dem Motto “Friede, Freude, Eierkuchen”, sondern sollte auch einen tieferen Sinn besitzen – Das Erlernen der japanischen Sprache! Susumu griff mir dabei hilfreich unter die Arme und gab mir jeden Tag 2 Stunden Japanisch-Unterricht, was bei seinem arbeitsbedingt eher kurzen Tag schon etwas ganz Besonderes war. Die Untertitel-Funktion bei den Fernsehsendern machte mich zudem mit dem Schriftbild bekannt und kurze Fragen über ein mir unbekanntes Wort wurden von meiner Familie schnell beantwortet. Schon nach 2 Monaten konnte ich problemlos Konversationen führen und ohne jegliche Sorgen und sprachliche Probleme in den Alltag schreiten.
Neben meinen Japanisch-Kursen wartete jedoch noch die größte Herausforderung auf mich – Die Schule! Ja, selbst in Japan blieb ich nicht vor dem Albtraum eines jeden Schülers bewahrt. Und wenn man mit etlichen, japanischen Schülern die Hälfte des Tages lang in einem Klassenraum verbringen muss und am dortigen Unterricht teilnehmen soll, ist ein Gefühl natürlich vorprogrammiert – Angst!
“Wieder mal unbegründet” konnte ich mir nach den ersten paar Schultagen sagen. Nach ausführlichen Gesprächen mit meiner Klassenlehrerin und dem Direktor der Schule höchstpersönlich, durfte ich mir die Schuluniform mit der passenden Größe heraussuchen, was sich als wahre Herausforderung zeigte. Anschließend stellte ich mich meinen Mitschülern auf Japanisch vor und wurde mit Applaus begrüßt – Schnell horteten sich etliche Mitschüler und Mitschülerinnen um mich herum und fragten mich über Deutschland aus. Während einige damit ihren eigenen Zukunfts- und Reiseträumen neuen Stoff geben wollten, nutzen viele die Gelegenheit, um eher lächerliche Fragen zu stellen - “Hast du eine Freundin?”, “Küsst ihr euch schon?”, “Ab welchem Alter kriegt man bei euch einen Bart?”. Da aber alle unheimlich freundlich und humorvoll waren, begannen sie mich zu keinem einzigen Zeitpunkt an zu nerven.
Der Unterricht schwankte von “Einfach” bis hin zu “Unmöglich” - Während Fächer wie “Deutsch” und “Englisch” mich eher in die Position des Lehrers drückten, wurden “Weltgeschichte” und “Mathematik” zu einer kaum schaffbaren Hürde. Gott sei Dank sahen die Lehrer das ein und versuchten mich mit etwas leichteren Fragen und unkompliziertem Japanisch in den Unterricht zu integrieren. Und da es noch zahlreiche andere Auslandsschüler aus unterschiedlichen Ländern gab, konnte ich tagtäglich meine Impressionen mit ihnen teilen und nach der Schule die Stadt mit ihnen entdecken.
Beim Essen stellte sich schnell ein sehr wichtiges Motto bei mir ein, durch das die 6 Monate Aufenthalt zu einem wahren, kulinarischen Highlight avancierten - “Je komischer es aussieht, desto besser schmeckt es auch!”. Und das stimmt sogar! Japan bietet etliche, unglaublich leckere Speisen, die ein riesiges Feld abdecken – Ob nun leckeres Curry mit Reis und Fleisch, eine unglaubliche Pilz-Suppe oder Ebi-Ten, frittierte Shrimps mit einem köstlichen Dip. Wer Japan nur mit dem Gericht “Sushi” abstempelt, der wird bei dieser unglaublichen Auswahl eines besseren belehrt!
Und somit komme ich zum Ende meines Erfahrungsberichtes. Natürlich habe ich im Laufe der Monate noch etliche andere Sachen erlebt – Besuche im Karaoke-Club, das Erkunden der Elektro-Stadt Akihabara oder das Besichtigen kultureller Orte. Doch das sind Sachen, die man selber erlebt haben muss, um die vollständige, packende Atmosphäre Japans zu erleben und zu lieben.
Ich hoffe, dass ich euch die größte Angst vor solch einem Auslandsaufenthalt nehmen konnte – Wer aufgrund dieser eben erwähnten Ängste diese Reise nicht antritt, der verpasst ein einzigartiges Erlebnis, das euer gesamtes Leben positiv prägen wird. Ihr seid nicht nur mit einer phänomenalen Sprache ausgestattet, sondern gewinnt eine liebevolle, zweite Familie, die noch Jahre danach immer wieder Päckchen zu euch schickt und immer wieder zu Besuch kommt. In diesem Sinne – Viel Spaß bei eurem eigenen, unvergesslichen Abenteuer “Japan”!





