„Was würdest du dir selbst auf dem Hinflug sagen?“ Wir haben zwei Austauschschülerinnen genau das gefragt. Luna war ein Jahr in North Carolina, Emmi ein Semester in Michigan. Hier schreiben sie, was sie heute – im Rückblick – darüber denken.
Luna, Austauschschülerin in North Carolina 2025/26
„Wenn ich heute mit meinem vergangenen Ich auf dem Hinflug nach North Carolina sprechen könnte, würde ich ihm vor allem sagen: Hey, entspann dich. Du musst kein perfektes Englisch sprechen, um Freunde zu finden, und du musst nicht gleich dazugehören.
Vor meinem Auslandsjahr hatte ich große Angst davor, sprachlich und sozial zu scheitern. Ich hatte Angst, in der Schule nicht akzeptiert zu werden, keine Freunde zu finden oder ständig aufzufallen. Im Nachhinein waren diese Sorgen zwar verständlich, oft aber größer als die tatsächlichen Probleme. Natürlich gab es Momente, in denen ich unsicher war oder gezweifelt habe. Aber genau diese Erfahrungen haben mir geholfen, selbstständiger und offener zu werden.
Ich würde meinem früheren Ich sagen, dass es normal ist, nicht sofort seinen Platz zu finden. Die meisten Menschen denken viel weniger über dich nach, als du glaubst. Deshalb lohnt es sich, einfach Dinge auszuprobieren und auf andere zuzugehen.“
Warum man keine festen Vorstellungen haben sollte

„Eine der wichtigsten Erkenntnisse meines Auslandsjahres ist, dass alles ganz anders ist, als ich erwartet hatte. Vor meiner Abreise hatte ich bestimmte Vorstellungen davon, wie mein Alltag aussehen würde – angefangen damit, dass ich jetzt in einem ganz anderen Zuhause lebe, als ich erwartet hatte. Außerdem fühlt sich mein Leben hier oft viel spontaner an. Manchmal hatte ich das Gefühl, im Urlaub zu sein, obwohl ich wie gewohnt zur Schule ging und bei meiner Gastfamilie lebte.
Auch die amerikanische Kultur hat mich überrascht. Der viele Smalltalk und die freundliche Art der Menschen wirkten teilweise oberflächlich. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass diese Freundlichkeit Teil der Kultur ist und oft eine Möglichkeit darstellt, Menschen willkommen zu heißen. Das ist auch ein Skill, den ich mit nach Hause nehmen werde. Außerdem haben mich die vielen Schultraditionen beeindruckt. Dinge, die man sonst nur aus Filmen kennt, sind hier tatsächlich Teil des Alltags.
Deshalb ist es wichtig, ohne zu viele Erwartungen in ein Auslandsjahr zu gehen. Wer jede Situation mit seinen Vorstellungen vergleicht, verpasst oft die spontanen Erfahrungen und kann das große Ganze gar nicht genießen. Die besten Momente entstehen häufig dann, wenn man nichts plant und einfach offen bleibt.“
Meine schönsten Erinnerungen
„Zu meinen schönsten Erinnerungen zählen vor allem die Zeit mit meiner Gastfamilie, die Natur an der Küste von North Carolina und die spontanen Erlebnisse mit Freunden. Besonders in den letzten Tagen vor meinem Rückflug habe ich gemerkt, wie sehr ich diesen Ort lieben gelernt habe. In der letzten Woche war ich zum Beispiel Kajak fahren und angeln. Solche Momente am Wasser mit meiner Gastschwester werden für immer in Erinnerung bleiben.
Oft sind es nicht die spektakulären Ereignisse, sondern die gemeinsamen Abendessen, Gespräche oder Ausflüge, die einem später am meisten bedeuten.“
Was ich über mich selbst gelernt habe
„Während meines Auslandsjahres habe ich viel über mich gelernt. Ich bin offener geworden und habe gelernt, auf Menschen zuzugehen. Gleichzeitig bin ich reifer geworden und habe besser verstanden, was mir persönlich wichtig ist. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich gerne aktiv bin und auch etwas außerhalb des Hauses unternehmen möchte. Gleichzeitig habe ich aber auch herausgefunden, dass man sich nicht ständig zu allem zwingen muss. Ein Auslandsjahr ist kein Wettbewerb darum, wer die meisten Aktivitäten macht.“
Tipps für zukünftige Austauschschüler
„Nutzt die ersten Wochen. Die ersten Tage und Wochen sind unglaublich wichtig. Probiert möglichst viele Dinge aus, geht zu Veranstaltungen, Clubs oder Sportangeboten und sprecht Menschen an. Es wird später schwieriger, neue Bekanntschaften zu machen. Ich wünschte, ich hätte das früher gewusst, denn ich habe meine besten Freunde erst nach einem halben Jahr kennengelernt.
Habt Geduld mit eurer Gastfamilie. Gastfamilien sind keine Reiseveranstalter. Sie führen ihren eigenen Alltag, ihre Arbeit und haben viele Verpflichtungen. Erwartet nicht, dass ständig etwas Besonderes passiert. Seid dankbar für die Dinge, die eure Gastfamilie für euch tut, und versucht, selbst Initiative zu zeigen.
Zeigt eure Persönlichkeit. Viele Amerikaner schätzen es, wenn man offen zeigt, wer man ist. Erzählt von euren Interessen, euren Meinungen und euren Gefühlen. Niemand erwartet Perfektion, aber manchmal ein bisschen Bemühung.
Macht euch wegen der Sprache nicht verrückt. Am Anfang versteht man nicht alles und macht Fehler. Das ist ganz normal. Die Sprache verbessert sich automatisch, wenn man sie jeden Tag benutzt. Der wichtigste Schritt ist, trotzdem weiterzusprechen. Es kann euch allen egal sein, was andere über eure Akzente denken.
Packt nicht zu viel ein. Die meisten Dinge kann man auch vor Ort kaufen. Lasst lieber etwas Platz im Koffer für Erinnerungen, Souvenirs und Dinge, die ihr während eures Jahres sammelt.
Mein Auslandsjahr in North Carolina war eine Erfahrung, die mich sehr geprägt hat. Ich habe neue Leute kennengelernt, eine zweite Familie gefunden, meine Komfortzone verlassen und viel über mich selbst gelernt. Nicht alles lief immer so, wie ich es erwartet hatte. Aber genau das hat das Jahr so wertvoll gemacht. Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Geht offen in euer Abenteuer, nutzt die Chancen, die sich euch bieten, und versucht nicht, alles perfekt zu machen.“
Emmi, Austauschschülerin in Michigan 2025

„Wenn ich heute mit meinem vergangenen Ich auf dem Hinflug nach Michigan sprechen könnte, würde ich ihr vor allem eine Sache sagen: Mach dir nicht so viele Gedanken und versuche nicht, alles zu planen. Als ich ins Flugzeug gestiegen bin, hatte ich unzählige Vorstellungen davon, wie mein Auslandsaufenthalt werden würde. Ich dachte, ich wüsste ungefähr, was auf mich zukommt, weil ich so viele Videos gesehen und Berichte gelesen habe. Am Ende war aber vieles ganz anders – was aber mein Auslandssemester so besonders gemacht hat.
Vor meiner Abreise hatte ich zum Beispiel die Vorstellung, dass ich direkt nach meiner Ankunft ganz viele Freunde finden würde. Ich dachte, dass die ersten Wochen wie in den Filmen sein würden und dass sich alles sofort richtig anfühlen würde. Die Realität sah etwas anders aus. Die ersten Tage waren aufregend, aber auch ziemlich anstrengend. Alles war neu: die Sprache, die Schule, die Menschen und sogar die kleinen alltäglichen Dinge. Manchmal habe ich mich unsicher gefühlt und gefragt, ob ich wirklich hierher passe. Heute weiß ich, dass das völlig normal ist. Freundschaften entstehen nicht von heute auf morgen. Die Menschen, die am Ende meine engsten Freunde geworden sind, habe ich oft erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten richtig kennengelernt.
Außerdem würde ich meinem früheren Ich sagen, dass es okay ist, nicht immer glücklich zu sein. Vor meinem Austausch hatte ich das Gefühl, dass diese Monate die beste Zeit meines Lebens werden müssen. Dadurch habe ich mich manchmal unter Druck gesetzt. Natürlich hatte ich unglaublich viele schöne Erlebnisse, aber es gab auch schwierige Tage. Ich habe meine Familie vermisst, war manchmal überfordert oder hatte einfach schlechte Laune. Das bedeutet aber nicht, dass der Austausch nicht gelungen ist. Ich würde sagen, gerade die Herausforderungen haben mich stärker und selbstständiger gemacht.
Etwas, das am Ende komplett anders war als erwartet, war meine Gastfamilie. Nicht, weil sie schlecht war, sondern weil sie einfach anders war als die Familie, mit der ich mein ganzes Leben verbracht habe. Am Anfang habe ich oft Vergleiche gezogen. Irgendwann habe ich verstanden, dass jede Gastfamilie einzigartig ist und dass man offen für neue Gewohnheiten sein muss. Als ich aufgehört habe zu vergleichen, konnte ich die gemeinsame Zeit viel mehr genießen.
Deshalb finde ich es so wichtig, keine festen Vorstellungen zu haben. Wenn man sich vorher ein perfektes Bild ausmalt, ist die Gefahr groß, enttäuscht zu werden. Ein Austauschjahr ist kein Film. Jeder erlebt andere Dinge, macht unterschiedliche Erfahrungen und entwickelt sich auf seine eigene Weise. Genau das macht einen Austausch so besonders. Die schönsten Momente sind nämlich oft die, die man niemals geplant hätte.“

Tipps für zukünftige Austauschschüler
„Sagt öfter Ja. Natürlich solltet ihr immer auf eure Sicherheit achten, aber nutzt die Chancen, die sich euch bieten. Geht zu Schulveranstaltungen, probiert neue Hobbys aus und verbringt Zeit mit Menschen, auch wenn es am Anfang Überwindung kostet. Viele meiner schönsten Erinnerungen entstanden aus spontanen Entscheidungen.
Habt Geduld mit euch selbst. Es ist normal, Zeit zu brauchen, um anzukommen. Nicht jeder fühlt sich nach einer Woche wie zu Hause. Gebt euch die Möglichkeit, euch langsam einzuleben.
Vergleicht euren Austausch nicht ständig mit dem anderer. Auf Social Media sieht oft alles perfekt aus, aber jeder erlebt Höhen und Tiefen. Konzentriert euch auf eure eigenen Erfahrungen und Entwicklungen.
Sprecht mit Menschen, wenn es euch nicht gut geht. Egal ob Gastfamilie, Freunde, Betreuer oder Familie zu Hause. Ihr müsst nicht alles alleine schaffen.
Genießt die kleinen Momente. Natürlich sind Reisen, Ausflüge und besondere Events großartig. Aber wenn ich heute an Michigan denke, erinnere ich mich oft an ganz normale Dinge: Autofahrten mit Freunden, Footballspiele an der Schule, gemeinsame Abendessen oder einfach Gespräche mit meiner Gastfamilie. Diese Momente sind es, die den Austausch am Ende ausmachen.
Mein Auslandssemester in Michigan hat mich selbstständiger, offener und mutiger gemacht. Ich habe gelernt, mit Veränderungen umzugehen, neue Perspektiven kennenzulernen und Menschen aus ganz unterschiedlichen Hintergründen zu verstehen. Wenn ich meinem vergangenen Ich auf dem Hinflug noch einen letzten Satz mitgeben könnte, dann diesen: Hab Vertrauen. Nicht alles wird so laufen, wie du es erwartest, aber genau darin liegt das Abenteuer.“
Ein Auslandsjahr ist nicht immer so, wie man es sich vorgestellt hat – und genau das macht es so besonders. Luna und Emmi haben beide erlebt, dass die schönsten Momente oft die unerwarteten sind. Wenn du also demnächst im Flugzeug sitzt und nicht weißt, was dich erwartet: Das ist völlig normal. Lass dich überraschen.






















