Austauschschülerin Josephine ist vor Kurzem von ihrem Schüleraustausch in den USA zurückgekehrt. Dort verbrachte sie ein Schuljahr in Texas, dem flächenmäßig zweitgrößten Bundesstaat der USA. Sie berichtet, welche Klischees und Erwartungen sich während ihres Auslandsjahres bestätigt haben, wie die Zeit sie geprägt hat und womit Texas sie wiederum vollkommen überrascht hat.
Groß, größer, Texas

„Als ich nach Texas gekommen bin, hatte ich – wie wahrscheinlich viele – einige typische Vorstellungen im Kopf: endlose Wüste, Cowboys, riesige Trucks und überall Steaks. Nach fast einem Jahr dort kann ich sagen: Einiges stimmt tatsächlich, vieles aber auch überhaupt nicht. Gerade das hat Texas für mich so spannend gemacht.
Das Erste, was mir aufgefallen ist, war die Größe von allem. Man hört zwar immer, dass in den USA alles größer ist, aber erst wenn man dort lebt, versteht man wirklich, was das bedeutet. Entfernungen werden ganz anders wahrgenommen. Wenn jemand sagt: “It’s just down the road”, denkt man als Deutsche vielleicht an einen kurzen Spaziergang. In Texas bedeutet das oft 15 Minuten Autofahrt. Ohne Auto kommt man fast nirgendwo hin.
Wie riesig Texas wirklich ist, wurde mir erst bei einem Roadtrip bewusst. Nach etwa sieben Stunden Autofahrt fragte ich meine Gastmutter, wann wir denn in New Mexico ankommen würden. Ihre Antwort: „Wir übernachten heute erst einmal noch in Texas und fahren morgen weiter.“ In diesem Moment wurde mir klar, wie unglaublich groß dieser Bundesstaat tatsächlich ist.
Einerseits finde ich das total beeindruckend, andererseits macht mir diese Größe manchmal fast ein bisschen Angst. Als ich nach Deutschland zurückgekommen bin, kam mir plötzlich alles unglaublich klein vor – die Straßen, die Gebäude und die Entfernungen zwischen den Orten.

Schüleraustausch in Texas: Nichts als Wüste?
Ein Vorurteil, das sich für mich überhaupt nicht bestätigt hat, betrifft die Landschaft. Ich hatte erwartet, dass Texas größtenteils trocken und wüstenartig ist. Tatsächlich ist es im Spätsommer und im Winter zwar deutlich trockener und nicht so grün wie Deutschland. Im Frühling verändert sich die Natur jedoch komplett: Überall blühen Blumen, die Wiesen werden sattgrün und die Landschaft sieht wunderschön aus. Das hat mich wirklich überrascht.

Das texanische Gemeinsschaftsgefühl
Besonders beeindruckt hat mich auch der Stolz der Texaner auf ihren Bundesstaat. Jeden Morgen wird vor der Schule nicht nur der amerikanische Treueschwur gesprochen, sondern auch der sogenannte „Texas Pledge“. Dabei stehen alle auf, schauen zur texanischen Flagge und haben die Hand auf dem Herzen. Ausnahmen gibt es dabei eigentlich nicht. Für mich war das anfangs sehr ungewohnt, weil ich so etwas aus Deutschland überhaupt nicht kenne.
Auch vor Sportveranstaltungen – selbst wenn nur zwei Schulen aus benachbarten Städten gegeneinander spielen – wird immer die amerikanische Nationalhymne gesungen. Anfangs fand ich das etwas seltsam und teilweise auch übertrieben. Mit der Zeit habe ich aber verstanden, wie wichtig dieser Stolz für viele Menschen dort ist. Irgendwann habe ich selbst ein Stück dieses texanischen Gemeinschaftsgefühls gespürt, was wirklich schön war.
👉 Mehr über den amerikanischen Treueschwur an der High School, den sogenannten „Pledge of Allegiance“, kannst du auch in unserem Beitrag über Patriotismus in den USA erfahren.
Und ja – das Cowboy-Klischee stimmt tatsächlich teilweise. Natürlich läuft nicht jeder mit Cowboyhut herum, aber viele tragen Cowboystiefel, Jeans und große Gürtelschnallen ganz selbstverständlich im Alltag. Ich fand diesen Stil richtig cool und habe mir deshalb selbst zwei Paar Cowboystiefel und mehrere Gürtel mit nach Deutschland gebracht.
Josephine beim Texas Rodeo
Eins meiner absoluten Highlights war Rodeo. Mehr Texas geht eigentlich gar nicht. Das war vor allem deswegen besonders für mich, weil ich während meines Austauschjahres selbst mit dem Reiten angefangen und sogar Barrel Racing ausprobiert habe. Dadurch konnte ich noch besser nachvollziehen, wie viel Können hinter den einzelnen Disziplinen steckt. Genauso beeindruckend fand ich die Football-Kultur. Football ist in Texas nicht einfach nur ein Sport, sondern ein riesiges Ereignis. Das Stadion meiner High School fasste über 8.000 Zuschauer – etwas, das man sich an deutschen Schulen kaum vorstellen könnte.

Die texanische Küche
Auch beim Essen hat Texas seinen ganz eigenen Charakter. Besonders bekannt ist Tex-Mex – eine Mischung aus mexikanischer und amerikanischer Küche. Man merkt den mexikanischen Einfluss dort überall. Ich habe die besten Tacos meines Lebens gegessen und vermisse sie bis heute. Generell hatte ich aber das Gefühl, dass die Texaner aus vielen Gerichten ihre ganz eigene Version machen. Selbst asiatisches Essen wird manchmal mit Brisket oder anderem Barbecue-Fleisch kombiniert. Fleisch spielt insgesamt eine große Rolle. Das habe ich besonders in der Schulcafeteria gemerkt: Als ich einmal ein Sandwich ohne Fleisch bestellen wollte, war die Mitarbeiterin total überrascht, weil das dort eher ungewöhnlich ist.

Josephines Fazit
Rückblickend haben sich einige Klischees über Texas bestätigt, andere überhaupt nicht.
Was ich aus meinem Austauschjahr besonders mitnehme, ist die Erfahrung, dass es nicht immer ein richtig oder falsch gibt. Viele Dinge werden in Texas einfach anders gemacht als in Deutschland – und anders bedeutet nicht automatisch, dass es schlecht ist. Ich kann aus Texas das mitnehmen, was mir gefällt, und gleichzeitig das schätzen, was ich an Deutschland mag. Genau das macht einen Austausch für mich so wertvoll: Man lernt eine andere Lebensweise kennen und kann aus beiden Kulturen etwas für sich mitnehmen.“
Wir freuen uns über die vielen spannenden Erfahrungen, die Josephine bei ihrem Schüleraustausch in Texas erleben durfte!
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