Ayusa-Austauschschülerin Linda ist bereits seit fast zwei Jahren in Irland, macht dort bald ihren Schulabschluss und erzählt von ihren Erfahrungen mit dem irischen Schulsystem.
Wie alles begann
Ich kann mich noch genau an meinen ersten Schultag im September erinnern. Am Morgen hatte ich meine Uniform angezogen, was ungewohnt war, da ich davor noch nie eine Schuluniform hatte. Es fühlte sich ein bisschen an, als würde ich im Alltag herausstechen, aber das Gefühl verflüchtigte sich schnell, als ich in der Schule ankam und in einem Meer von grünen Uniformen, wie meiner, aufgenommen wurde.
Ich habe nie ein Problem mit der Uniform gehabt, da ich das aus Filmen wie Hanni und Nanni schon gesehen und geliebt habe. Es gibt natürlich immer Schüler, die die Uniform nicht mögen, aber für mich geht es hierbei eher um ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Wenn ich in der Stadt nach Schulschluss jemanden in meiner Uniform sehe, weiß ich direkt, dass wir in der gleichen Schule sind. Es ist sowas wie ein Erkennungszeichen das wir etwas gemeinsam haben.
Die Schule ist im Generellen nicht viel anders als in Deutschland. Es gibt ein paar andere Fächer wie Agriculture Science, Accounting oder Business, aber ansonsten sind es ähnliche Fächer wie in Deutschland, was mir definitiv die Angst genommen hat, dass ich Sachen verpasse und hinter meine Gleichaltrigen in Deutschland falle.
Meine Schule hat auch ein ausgewogenes Angebot an außerschulischen Aktivitäten wie Volleyball, Basketball, Camogie, Gaelic Football, Fußball, Green Schools (Umweltschutzgruppe) und Chor. Es ist wirklich für jeden etwas dabei. Ich habe mich vor allem sehr im Volleyball Club engagiert, mit dem ich selber bei Turnieren angetreten bin und auch jüngere Kinder unterrichtet habe. Hier geht es nicht nur darum, den ganzen Tag zu lernen und dann nach Hause zu gehen, sondern auch außerschulische Stärken zu unterstützen und alle sind dabei und helfen.

Der erste Schultag in Irland
Der erste Tag war chaotisch, Fächer wählen, Stundenplan verstehen und Namen lernen. Ich dachte, ich würde mich niemals in der dreistöckigen Schule zurechtfinden. Jedoch kann ich jetzt, zwei Jahre später, sagen, die Sorgen machte ich mir alle umsonst. Ich habe mich in keiner Schule so wohlgefühlt wie in dieser Schule.
Wenn man als internationaler Schüler das erste Mal ankommt, hat man alle möglichen Fragen und Sorgen: Werde ich Freunde finden? Passe ich überhaupt hierher? Wie finde ich mich hier nur jemals zurecht mit Schule und Sprache? Jetzt weiß ich, dass alles einfacher ist, als man es sich vorstellt.
Ich habe meine erste Freundin ein paar Stunden nach der Ankunft in der neuen Schule gefunden und wir sind immer noch eng befreundet und machen Pläne für die Zukunft. “Man findet Freunde fürs Leben” ist wirklich keine Lüge oder übertrieben. Täglich treffe ich mich mit meinen Freunden vor der Schule und wir gehen gemeinsam zu unseren Klassen. Selbst, wenn wir keine Klassen zusammen haben, knüpfe ich trotzdem Freundschaften mit meinen anderen Klassenkameraden, da man immer was zum Reden finden kann.
Lindas Fazit

Ich bin froh, Irland als mein Zielland für den Auslandsaufenthalt gewählt zu haben. Die Menschen hier sind offener, als man es sich nur vorstellen kann. Hilfsbereit, freundlich und noch so viel mehr. Das hat es mir definitiv erleichtert mich zu integrieren und Bekanntschaften zu machen mit den unterschiedlichsten Menschen – und ich meine wirklich den UNTERSCHIEDLICHSTEN.
Der Busfahrer, der uns täglich zur Schule fährt, die Frau in der Kantine, die mir meinen täglichen Scone gibt oder der Mann an der Kasse meines Lieblingscafés.
Diese Verbindungen habe ich alle geschaffen, indem ich über meinen Schatten gesprungen bin und einfach mal zur Abwechslung den ersten Schritt gemacht habe und die Person ansprach. Es hört sich angsteinflößend an, aber man kann nichts verlieren und mein Nummer 1 Motto ist es, alle Möglichkeiten anzunehmen. Hinterher kann man immer sagen, es war das erste und letzte Mal, dass man etwas gemacht hat, aber was ist, wenn du deine Leidenschaft fürs Leben findest, indem du einfach etwas testest?
Ich bin jetzt im 6th Year, der Abschlussklasse kurz vor meiner Graduation und denke zurück an das 15-jährige Mädchen, das sich vor zwei Jahren dazu entschieden hat, diesen großen Schritt zu wagen. Jetzt, zwei Jahre später, bin ich ihr immens dankbar, dass sie es durchgezogen hat, da es die besten Jahre ihres Lebens als Austauschschülerin in Irland waren!
Wir freuen uns sehr über dieses tolle Fazit von Linda und wünschen ihr für die Zeit nach dem Austausch alles Gute!
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