25 Jahre Ayusa-Intrax: Minu’s Story

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„German daugther“ Minu besucht auch 12 Jahre nach ihrem Schüleraustausch noch ihre „amerikanische Familie“ (c) Ayusa-Intrax

25 Jahre Ayusa-Intrax: Das ist nicht nur ein schöner Grund zu feiern, sondern auch eine gute Gelegenheit, auf 25 Jahre voller Auslandsgeschichten zurückzublicken. In unserer Blogreihe teilen wir mit dir spannende Stories, einzigartige Erfahrungen und ganz besondere Erlebnisse unserer Teilnehmer, die uns tief berührt haben.

Dass ein Auslandsaufenthalt viel mehr ist als ein bestimmter Zeitabschnitt im Leben, auf den man später zurückblickt, zeigt auch Minus Geschichte, mit der wir unsere 25 Jahre Stories-Reihe starten.

Minus Schüleraustausch in den USA – 12 Jahre später

Es ist schon so lange her, dass ich ein Schuljahr in den USA verbrachte. Aber je länger es her ist, desto wertvoller sind die Erinnerungen und desto mehr realisiere ich, was ich in dieser Zeit gelernt habe.

„This is Minu, she was our exchange student 12 years ago“, stellt meine Gastmutter mich einigen Freunden vor. Wow, das hört sich lang an – und fühlt sich doch an, als sei es gestern gewesen.

In diesen 12 Jahren war ich immer mal wieder „drüben“, um meine Gastfamilie zu besuchen. Nun ist das letzte Mal allerdings schon fünf Jahre her. Nicht nur ich bin ich der Zwischenzeit „erwachsen“ geworden. Meine beiden Gastbrüder – damals sechs und neun – sind heute zwei Köpfe größer als ich und gehen aufs College, bzw. stehen kurz vor dem High School Abschluss.

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte die Zeit zurückdrehen und mein Exchange Year nochmal machen. Dann überlege ich, was ich heute wohl anders machen würde. Das wäre wahrscheinlich gar nicht so viel, denn ich hatte eine mehr als wunderbare Zeit, als ich mein Schuljahr 2003/2004 in Wisconsin verbrachte. Ich habe manchmal das Gefühl, ich weiß das erst heute richtig zu schätzen. Und ich frage mich oft, wer oder wie ich wohl heute wäre, wenn ich nicht für ein Jahr „abroad“ gewesen wäre. Hat diese Erfahrung mich doch in so vieler Hinsicht beeinflusst.

Das Wertvollste, was ich aus dem Jahr als Exchange Student mitgenommen habe, sind die Menschen, die auch heute noch mein Leben bereichern. Ich lebte damals mit meinen beiden Gasteltern und meinen zwei kleineren Gastbrüdern zusammen. Außerdem nahm mich eine weitere, mit meiner Gastfamilie befreundete Familie wie ihre eigene Tochter auf. Mit ihnen und ihren Kindern verbrachte ich ebenfalls viel Zeit, fuhr mit ihnen in den Urlaub und erhielt Einblicke in ein weiteres amerikanisches Familienleben. Ich nenne diese beiden Familien heute meine „amerikanischen Familien“.

In diesem Sommer hatte ich nun endlich wieder die Gelegenheit, sie zu besuchen. Nachdem es kurz fast unrealistisch wirkte, tatsächlich wieder dort zu sein, war schnell alles wieder beim Alten und ich fühlte mich sofort  wohl. Aber wie sollte es auch anders sein, gibt es doch noch immer ein Zimmer, das „Minu’s room“ genannt wird und werde ich in Erzählungen als „German daughter“ bezeichnet.

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Auch heute reist Minu noch gern in die USA und bringt das eine oder andere amerikanische Cupcake-Rezept mit nach Deutschland (c) Ayusa-Intrax

Jedes Mal bewundere ich es von neuem, dass diese Familien mir so selbstverständlich ihr Herz und ihr Heim geöffnet haben und ich seitdem ein Teil davon sein darf. Diese positive und offene Art auf „Fremde“ zuzugehen hat mich stark beeinflusst und vor allem beeindruckt und so versuche ich heute, ebenso offen für andere zu sein.
Neben dieser Offenheit, war es vor allem die positive Einstellung – die sogenannte „Can Do Attitude“ – die mich an der amerikanischen Kultur begeisterte und mir in schwierigen Situationen das Gefühl gab, es ist alles möglich. Und dieses Gefühl wurde mir von meinen Familien auch stets vermittelt: Du kannst alles erreichen, was du dir vornimmst. Noch heute versuche ich, mit dieser Einstellung Herausforderungen anzugehen.

Es sind aber nicht nur die positive Einstellung und Mentalität, die mich heute noch prägen. Das Jahr in den USA hat viele meiner späteren Entscheidungen beeinflusst. So zum Beispiel die Wahl des Englisch-LKs im Abitur und im Anschluss das Englisch-, bzw. Amerikanistik-Studium. In dem Augenblick erschienen mir diese Entscheidungen wie Kleinigkeiten. Im Nachhinein verstehe ich, dass sie meinen gesamten Lebensweg prägen.
Auch in meinem Alltag erhalte ich mir ein Stückchen amerikanische Kultur – in Form von Cookies und Cupcakes. Meine Gastmutter hat viel gebacken und ihr Wissen gerne an mich weiter gegeben. Backen gehört heute zu einem meiner liebsten Hobbies – aber NUR amerikanische Rezepte!

Mein Urlaub in den USA in diesem Sommer hat mir viele schöne Erinnerungen wieder ins Gedächtnis gerufen. Das stimmt mich immer ein bisschen melancholisch, da die Zeit so schnell vergeht und ich mir immer von neuem darüber bewusst werde, dass es die Chance des Exchange Years nur einmal gibt und ich diese Zeit nie wiederholen kann. Aber es stimmt mich genauso glücklich und dankbar, dass mir die Möglichkeit dieser Erfahrung geboten wurde und dass sich so viele Menschen viel Mühe gegeben haben, dass es ein unvergessliches Erlebnis für mich wird.

– Minu –