Gastbloggerin Sarah: Meine 13 Monate in den USA – Teil 1

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Ayusa-Intrax Au pair Sarah

Zwei Grinsekatzen strahlen um die Wette: Au pair Sarah und ihr Gastkind (c) Ayusa-Intrax

Sarah ist seit fast elf Monaten Au pair in den USA und lebt in der Nähe von Washington D.C. In ihrem Blog berichtet sie für alle Wunsch-Au pairs, fast-Au pairs, Ex-Au pairs und alle, die einfach gerne lesen von ihrem spannenden Jahr in den Vereinigten Staaten. In ihrem zweiteiligen Gastbeitrag auf unserem Blog wirft sie einen eindrucksvollen Blick auf die letzten unvergesslichen Monate als Au pair.

Von Babygeschrei und Marmeladenglasmomenten

Monatelange Vorbereitung, Zusammentragen von Referenzen, Interviews, Zittern vor dem ersten Skypegespräch (und dem zweiten und dem dritten… Wann nimmt die Nervosität nochmal ab?), Visum beantragen, Gastgeschenke kaufen, Koffer packen (und nochmal packen, weil die erste Ladung die Gewichtsgrenze überschreitet), voller Aufregung die ganze Nacht wachliegen und plötzlich geht es los. Man sitzt im Flieger. Isst unglaublich schmackhaftes Tütenessen, welches von hochmotiviertem Flugzeugpersonal mit angefrorenem Grinsen überreicht wird. Versucht den verpassten Schlaf nachzuholen, aber kaum döst man zwischen dem neuen Film mit Cameron Diaz (der in Deutschland legalerweise noch nicht käuflich ist) und einer Tüte Erdnüssen ins Land der Regenbogen und Einhörner, ist man auch schon wieder wach, weil Madame im Nebensitz aufs Klo muss (zum 23948203942. Mal).

Dieser Tag fühlt sich an, als hätte er erst gestern stattgefunden und dieses Gefühl bleibt quasi das gesamte Jahr über. Als wäre man erst vor ein paar Stunden losgeflogen, mit einem Koffer voll überflüssig eingepackter Shampooflaschen und Schokoladenvorrat als Jahresration, Kleider, die man zwei Mal angezogen hat, aber sie mitnimmt, weil man sie ja vielleeeeicht doch mal brauchen könnte, Erwartungen, Hoffnungen, Träumen.

365 (+/-) Tage später sieht der Koffer total anders aus. Die Shampooflaschen aufgebraucht, die Schokolade schon in den ersten Tagen voller Nostalgiegefühl während der ersten amerikanischen Fernsehsendung in Mageninhalt verwandelt. Obwohl man sich doch so fest vorgenommen hatte, nicht zuzunehmen, während man hier ist. Der Kleiderbestand deutlich maximiert, Erwartungen halbiert, Hoffnungen geviertelt, Träumegeachtelt.

Diesmal mit im Gepäck sind Erinnerungen an Roadtrips quer durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Momente, die in die größten Marmeladengläser nicht hineinpassen würden, Freunde, auf der ganzen Welt verstreut. Englischkenntnisse, mit denen du dir manchmal wünschst, deine Englischprüfung in der Schule nochmal ablegen zu können, Muscheln aus Florida, Sand aus Kalifornien, Perlenketten aus New Orleans.

Vor dem Jahr steigt man mit Erwartungen in den Flieger, die größer nicht sein könnten. Das Jahr soll das BESTE deines Lebens werden. So viel sei gesagt: Das INTERESSANTESTE wird es auf jeden Fall werden!

Ayusa-Intrax Au pair Sarah

Sarah hat während ihrer Zeit als Au pair viele tolle Orte besucht. In ihrem Reisemonat will sie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten durchqueren und noch mehr unvergessliche Orte für sich entdecken (c) Ayusa-Intrax

Nie wieder (davon gehe ich jetzt einfach mal aus) wird man in so kurzer Zeit so viele neue Eindrücke bekommen, so viele verschiedene Orte sehen, unzählige interessante Menschen kennenlernen, sich in Situationen wieder finden, in denen man am liebsten die Augen schließen würde und sich zurück auf die heimatliche Couch wünscht.

Das Gefühl kennenlernen, die Fremdsprache besser als die Muttersprache zu sprechen, tausende Kilometer (oder eher Meilen) weit weg von Freunden und Familie in einer vollkommen fremden (und oft befremdlichen) Kultur wieder aufzutauchen und sich oft genug zu fragen: Was genau mache ich eigentlich hier?!

Das alles ist nicht immer leicht und in meinem Jahr gab es oft Momente, an denen ich mir eben jene Frage immer und immer wieder gestellt habe. Es geht hoch und runter, das Innenleben oft viel emotionaler, als man sich wünschen würde, Verständnis oft weiter weg, als man sich erhofft hätte. Das Jahr ist kein Zuckerschlecken. Aber ganz ehrlich, ist es nicht genau gleich in Deutschland? Wo scheint schon 365 Tage im Jahr die Sonne? Es geht bergauf und bergab, so ist das Leben. Nur sollte man nicht bei jeder Bodenlandung den Kopf im Sand stecken lassen. Denn es gibt auch unzählig viele atemberaubende Momente, in denen man unglaublich froh ist, in das Flugzeug gestiegen zu sein. Und es gibt echt noch keinen Tag, an dem ich meine Entscheidung bereut habe, nach Amerika gegangen zu sein.

– Sarah Reichenstein –

In Teil 2 von Sarahs Gastbeitrag erfährst du mehr über ihre Gastfamilie und die tägliche Arbeit als „kreative Superköchin und nervenstarke Windelwechslerin“.