Gastbloggerin Sarah: Meine 13 Monate in den USA – Teil 2

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Ayusa-Intrax Au pair

Sarah liebt ihren Job als Au pair und ist „unglaublich dankbar“, dass sie ihren Kleinen jeden Tag aufs Neue beim Großwerden begleiten kann (c) Ayusa-Intrax

Sarah ist seit fast elf Monaten Au pair in den USA und lebt in der Nähe von Washington D.C. In ihrem Blog berichtet sie von ihrem spannenden Jahr in den Vereinigten Staaten. In ihrem dreiteiligen Gastbeitrag auf unserem Blog wirft sie einen eindrucksvollen Blick auf die letzten unvergesslichen Monate als Au pair. Heute geht es um ihre unamerikanische Gastfamilie und die tägliche Arbeit als kreative Superköchin.

Meine Zeit hier habe ich mit einer lieben Familie in Virginia verbracht, bin für ein Jahr
Familienmitglied auf Zeit geworden. Au pair, das hieß in meinem Fall eine Mischung aus nicht müde werdender Babyunterhalterin, kreativer Superköchin, nervenstarker Windelwechslerin, ausdauernder “Peekaboo”-Spielerin, motivierter Schaukelanschubserin und multitaskender Trotzanfallberuhigerin zu sein. Und nicht zu vergessen: die innerlich
ruhige Dauerputzerin, wenn das Baby mal wieder das liebevoll gekochte Gemüsegratin, für das man eine geschlagene Stunde in der Küche stand, fröhlich lachend und ohne Bedenken der Nachwirkungen prustend im Rasensprenklermodus durch das gesamte Wohnzimmer beförderte. Und das neun Stunden täglich.

Das Leben mit dem Baby: Durch dick und dünn

Aber ich liiiebte die Arbeit! Und vor allem das Baby. Mein Baby, mit dem ich in diesem Jahr durch dick und dünn gegangen bin. Durch stundenlange Zahnbekommensschmerzen, das erste Mal die Anzeige des Thermometers sprengen, Nichtschlafenkönnen vor Hitze und Krankheit und dann zusammengekuschelt im Schaukelstuhl etwas Ruhe finden, von Schreien zu Brabbeln und Sprechen übergehen, der erste Zahn, das erste Mal den Kopf anschlagen, weil der scheinbar massive Holzstuhl sich als unüberbrückbar wackelige Hochziehhilfe entpuppte, der erste Schritt. Jede einzelne Entwicklungsstufe habe ich mitbekommen und ich bin unglaublich dankbar, dass ich Teil seines kleinen Großwerde-Abenteuers sein durfte. Die Zeit mit meinem Baby war wunderschön und ich hätte sie gegen nichts in der Welt eingetauscht!

Ayusa-Intrax Au pair

Wer ist glücklicher? Sarah und ihr Gastkind strahlen um die Wette und die Oma der Gastfamilie weiß warum (c) Ayusa-Intrax

Meine Gastoma meinte vor einiger Zeit, durch mich ist der Kleine so glücklich geworden, wie er jetzt ist. Habe richtig Gänsehaut bekommen, als sie das sagte. Man realisiert manchmal gar nicht, was für eine große Rolle man in dem Leben und der Entwicklung der Gastkinder spielt! Jedes Mal habe ich mich wie eine kleine Schneekönigin gefreut, wenn die Menschheit mal wieder dachte, er wäre mein Baby und ich wäre Amerikanerin.
Das erste Mal Wegbeschreibungen auf Englisch wiedergeben, ohne sich aus Nervosität und Wortmangel 834503485 Mal zu verhaspeln, ist sowieso ein Gefühl, das erlebt man nie wieder und im Hinterkopf hofft man, eben jene fragende Person verschwindet so bald wie möglich, damit nicht auffällt, dass man eigentlich so amerikanisch ist wie Oktoberfeste in Massachusetts.

Wer sagt, dass Amerikaner nur Fastfood essen?

Wo wir gerade bei Amerikanisch sind: Wenn man Amerika vor dem trügenden Schleier der Vorurteile betrachtet, eine Nation hamburgervernichtender, faulheitsliebender
Fernsehmenschen, die Fastfoodketten mit Clownsgesichtern wie ihre rechte Jackentasche kennen, dann hätte meine Gastfamilie unamerikanischer nicht sein können (mal abgesehen von der Tatsache, dass wir überhaupt keinen Fernseher besaßen).
Mein Gastpapa liebt es seine Bienen zu hegen und zu pflegen, stellt selbst Honig und Joghurt her, wies mich in die Kunst des Brotbackens ein und sieht seinen größten Stolz in einem wohlgehegten Gemüsegarten aufleben. Meine Gastmama, welche man mit einem Gemüseshake glücklicher nicht machen kann, verbringt ihre Zeit super gerne draußen, im Fitnessstudio und beim Yoga und sieht den Tag erst mit einem Muskelkater als vollkommen zufriedenstellend an. Beide habe ich aber echt unglaublich lieb!

– Sarah Reichenstein –

In Teil 3 von Sarahs Gastbeitrag erfährst du mehr über die amerikanischen Feiertage, Weihnachten in der Wüste und in welchem spannenden Land sie als nächstes Au pair sein wird!