Familie Jaouhar aus Florida
Diese Familie kommt aus Florida und ist bereits seit 2016 Gastfamilie. Mal haben sie nur einen, mal gleich zwei Austauschschüler gleichzeitig aufgenommen. Ihre Schüler kamen bisher aus Thailand, Spanien, Frankreich, Japan, der Ukraine, Deutschland, Mexiko, Vietnam, Südkorea, den Niederlanden, Australien, Italien, Chile und Russland – insgesamt haben sie im Laufe der Jahre schon 20 Austauschschüler bei sich aufgenommen.
Was hat euch dazu bewegt, Gastfamilie zu werden?
Die Idee kam mir ursprünglich, weil ich mich noch gut daran erinnerte, wie ich selbst in der High School Austauschschüler kennengelernt hatte – das hat mich damals total fasziniert. Auch mein Jugendpastor hat als Teenager immer internationale Reisen für unsere Jugendgruppe organisiert, und ich habe es geliebt, von ihren Erlebnissen zu hören.
Mit 17 durfte ich selbst einmal mit auf so eine Reise nach Schottland und habe dort mit ein paar anderen Mädchen aus der Gruppe bei einer Gastfamilie gewohnt. Diese Erfahrung habe ich sehr genossen, und seitdem hat mich die Leidenschaft fürs Reisen und für andere Kulturen nicht mehr losgelassen. Ich wusste schon lange, dass ich irgendwann selbst Gastfamilie werden wollte. Als ich dann eines Tages eine Familie kennenlernte, die mir von ihren eigenen Erfahrungen erzählte, habe ich mich schließlich entschieden, mich auch als Gastfamilie zu melden!
Kennt ihr auch andere Gastfamilien?
In unserer Gemeinde gibt es viele Gastfamilien. Ich habe meine eigenen Erfahrungen mit anderen geteilt und so dazu beigetragen, dass sich noch mehr Familien dafür entschieden haben.
Wie sieht der Alltag mit euren Austauschschülern aus? Was sind eure liebsten gemeinsamen Aktivitäten?
Die Schüler, die bei uns wohnen, werden wirklich Teil unserer Familie. Wir beziehen sie in alles mit ein, genau wie unsere eigenen Kinder. Am liebsten gehen wir zusammen einkaufen, essen zusammen im Restaurant und erkunden gemeinsam Städte und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.
Wie laufen die ersten Wochen mit einem neuen Austauschschüler ab? Habt ihr Tipps gegen Heimweh oder um das Gefühl zu vermitteln, willkommen und Teil der Familie zu sein?
In den ersten Wochen geht es vor allem darum, sich mit dem Alltag und miteinander vertraut zu machen. Ich würde jedem empfehlen, dem Schüler von Anfang an zu zeigen, wo alles im Haus zu finden ist und wie die Dinge funktionieren – selbst so einfache Dinge wie Wäschewaschen, denn das kann sich vom Zuhause der Schüler stark unterscheiden. Wir besprechen die Hausregeln und Erwartungen, unternehmen gemeinsam etwas in der Gemeinde und stellen die Schüler auch der weiteren Verwandtschaft in unserer Stadt vor.
Gibt es etwas, das ihr persönlich durchs Gastfamilie-Sein gelernt habt?
Ich habe gelernt, dass jeder Mensch einzigartig ist und keine Gasterfahrung der anderen gleicht. Von jedem einzelnen Schüler habe ich etwas Neues gelernt – selbst wenn zwei aus demselben Land kamen, war die Erfahrung jedes Mal anders. Dadurch bin ich mir kultureller Unterschiede viel bewusster geworden. Und meiner Tochter habe ich die Möglichkeit gegeben, neue Freunde aus der ganzen Welt kennenzulernen und die Welt insgesamt besser zu verstehen.
Gibt es kulturelle Unterschiede, die euch immer wieder überraschen – positiv oder als Herausforderung?
Ich habe gelernt, dass die Sprache in manchen Kulturen viel direkter ist, während sie in anderen eher zurückhaltend und subtil bleibt.
Was war für euch eine der bewegendsten oder bedeutungsvollsten Erfahrungen mit einem Austauschschüler?
Ich habe so viele unvergessliche Erlebnisse mit unseren Austauschschülern gehabt, aber die schönste Erinnerung von allen war sicher, bei der Hochzeit meiner allerersten Austauschschülerin dabei zu sein und zu sehen, wie erwachsen sie geworden war. Es war ein ganz besonderer Tag, und sie wollte unbedingt, dass wir dabei sind. Das zeigt wirklich: Eine Gastfamilie zu sein, endet nicht einfach mit dem Schuljahr – die Verbindung, die man aufbaut, kann ein Leben lang halten.