Familie McArthur aus Maine

Dieser Gastvater lebt in Greene, Maine, einer sehr kleinen Stadt mit etwa 4.000 Einwohnern. Er hat bereits Henrik (aus Deutschland), Merlin (aus Frankreich), Qasim (aus Pakistan), den Notfall-Gastschüler Ali (aus Saudi-Arabien), Martin (aus Spanien) und den Notfall-Gastschüler Sahid (aus Sierra Leone) bei sich aufgenommen. In Kürze wird er Jorge aus Spanien als Austauschschüler aufnehmen. Außerdem hat er eigene, bereits erwachsene Kinder sowie fünf Enkelkinder.

Was hat dich dazu bewegt, Gastvater zu werden?

Ich lebte allein in einem leeren Haus, mit leerem Nest, und ich wollte etwas zurückgeben und das, was ich habe, mit anderen teilen. Ich liebe es, Vater und Opa zu sein. Doch auch, wenn ich meine Kinder und Enkelkinder regelmäßig sehe, fehlte mir doch die jugendliche Energie im Haus.

Wie sieht der Alltag mit deinen Austauschschülern aus? Was unternehmt ihr am liebsten zusammen?

Ich versuche, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten – wie in einem typisch amerikanischen Haushalt mit Teenagern, die zur High School gehen. Abends wird in der Küche rund um die Kochinsel viel gelacht, und es entstehen viele schöne Erinnerungen. Dort erzählen wir uns, wie der Tag war, wer einem heute zugelächelt oder mit einem gesprochen hat, und dort sprechen wir auch über Probleme, Sorgen oder Ängste. 

In der Küche und am Esstisch entsteht der meiste Austausch, die engste Verbundenheit und das größte Vertrauen. Das Gleiche passiert auch im Auto – wir leben schließlich in Maine, wo jede Fahrt mindestens 20 Minuten dauert – auch da werden viele Geschichten geteilt. Und weil es Teenager sind, ist es natürlich auch mal still.

Wie laufen die ersten Wochen mit einem neuen Austauschschüler ab? Hast du Tipps gegen Heimweh oder um das Gefühl zu vermitteln, willkommen und Teil der Familie zu sein?

In den ersten Wochen nehme ich mir viel Zeit für sie. Wenn Jorge in 11 Tagen ankommt, beginnt für mich ein zweiwöchiger Urlaub, den ich ganz auf seine Bedürfnisse ausrichte – im Haushalt, beim Kennenlernen der Gemeinde und der Familie und beim Start in der Schule. Wir werden auch gemeinsam den Staat erkunden und die örtlichen Sehenswürdigkeiten, das Meer, die Seen und die Berge besuchen. 

Zu Hause gibt es auch ruhigere Momente: Wir spielen ein paar Spiele, sitzen am Feuerplatz, schwimmen im Pool und veranstalten ein paar Poolpartys, um ihn mit der Familie vertraut zu machen. Dabei versuche ich auch, ein paar seiner Mitschüler einzuladen, in der Hoffnung, dass daraus Freundschaften entstehen. Ich halte ihn bewusst auf Trab, damit gar nicht erst Zeit für Heimweh bleibt.

Gibt es etwas, das du persönlich durchs Gastfamilie-Sein gelernt hast?

Ja – wie negativ die USA in den Augen der restlichen Welt aktuell dastehen. Ich habe von all den Kindern sehr viel gelernt und lerne ständig dazu. Besonders bewusst geworden ist mir dabei auch, wie schlecht die Ernährung in den USA oft ist und wie sehr es hier an Lebensmitteln mit rein natürlichen Zutaten mangelt.

Gibt es kulturelle Unterschiede, die dich immer wieder überraschen – positiv oder als Herausforderung?

Ja, jedes Jahr bringt jedes einzelne Kind neue kulturelle Unterschiede mit. Gerade wenn man denkt, man hätte schon alles gesehen, wird man wieder überrascht.

Was war für dich eine der bewegendsten oder bedeutungsvollsten Erfahrungen mit einem Austauschschüler?

Ich engagiere mich viel ehrenamtlich, unter anderem bei der Essensausgabe für Obdachlose, und letztes Jahr auch bei der Organisation von Weihnachtsgeschenken und einem Festessen für obdachlose Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 22 Jahren. Mein Austauschschüler Martin hat letztes Jahr jedes Mal mitgeholfen. Selbst wenn er müde, erschöpft und hungrig vom Basketballtraining kam, sagte er, dass er am Samstag unbedingt mitkommen wolle, um Essen für 120 Menschen vorzubereiten. 

Seine Aufgabe war es immer, die Sandwiches zu machen und später die Mahlzeiten persönlich auszuliefern. Bei einer dieser Gelegenheiten saß er nach dem Basketballtraining am Esstisch und unterschrieb Weihnachtskarten für obdachlose Jugendliche in seinem Alter – ohne es zu merken, unterschrieb er dabei eine Karte für einen seiner eigenen Klassenkameraden. Dieser Moment ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. 

Insgesamt hat er über 1.150 Mahlzeiten mit vorbereitet und ausgeliefert. Martín tat das nicht für Anerkennung oder Lob – das Ehrenamt war für ihn etwas völlig Neues. Er tat es, weil ihm die Menschen wirklich am Herzen lagen. Sein Mitgefühl, seine Bescheidenheit und seine Bereitschaft, anderen zu helfen, haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Familie McArthur
Gastvater mit Austauschschülern