Zwei Kinder im Schüleraustausch: Interview mit Frau Kammer

Frau Kammer kennt den Schüleraustausch in den USA aus gleich mehreren Perspektiven: Sie war selbst als Schülerin in Wisconsin, später verbrachten auch ihr Sohn und ihre Tochter jeweils ein High-School Jahr in den USA. Im Interview erzählt sie, warum ihre Familie sich gleich zweimal für einen Austausch entschieden hat, wie sie als Mutter mit dem Loslassen umgegangen ist und warum für sie am Ende vor allem eines zählt: Vertrauen.

Die wichtigsten Tipps für Eltern

💬 Frau Kammer, Sie haben gleich zwei Kinder für ein Austauschjahr in die USA geschickt. Von wem kam die Idee?

Bei beiden Kindern war das unterschiedlich. Mein Sohn wollte tatsächlich selbst einen Austausch machen. Er kannte natürlich meine Erzählungen, weil ich auch ein Auslandsjahr gemacht habe und damals in Wisconsin war. Bei meiner Tochter war es erst ganz anders. Sie wollte lange Zeit nicht und hat gesagt, sie müsse nicht das Gleiche machen wie ihr Bruder. Dann kam sie relativ kurzfristig vor Weihnachten und meinte: „Ich will jetzt doch.“ 
Ich habe kein Kind dazu gedrängt. Das muss wirklich von den Kindern selbst kommen. Wenn sie dann sagen: „Ich möchte das machen“, kann man als Eltern schauen, wie man es möglich macht.

💬 Ihre beiden Kinder haben sich für die USA entschieden. Haben Sie bei der Region oder dem Bundesstaat bestimmte Wünsche gehabt?

Nein, wir haben alles offengelassen. Für uns war wichtig: Es muss die Familie stimmen und nicht die Region. Mein Sohn kam schließlich nach Maine und Meine Tochter nach Colorado – ganz unterschiedliche Regionen, ganz unterschiedliche Familien und Schulen. Wir haben gesagt: Es kommt, was kommt.

💬 Gerade die USA werden aktuell auch politisch viel diskutiert. Hat Ihnen das als Mutter Sorgen gemacht?

Mir gar nicht. Es war eher das Umfeld, das einem das Gefühl gegeben hat: Wie kannst du dein Kind jetzt nach Amerika schicken? Und ich habe immer gesagt: Warum soll ich es nicht tun?

Ich habe ein sehr großes Vertrauen in dieses Land und die Menschen. Das Programm machen nicht irgendwelche Politiker, sondern es sind die Familien vor Ort, die Lehrer und die Schulen. Das sind Menschen wie du und ich. Denen muss ich vertrauen.
Natürlich ist die politische Situation da. Aber das ändert nichts an dem Land und an der Erfahrung. Man hat als junger Mensch auf dem Weg zum Abitur nur dieses eine Zeitfenster. Ich kann nicht zehn Jahre warten, bis sich eine bestimmte Situation vielleicht verändert.

💬 Warum haben Sie sich damals für Ayusa entschieden?

Wir hatten uns verschiedene große Organisationen angeschaut. Das war während Corona und vieles fand damals nur online statt. Bei Ayusa hatten wir aber einen persönlichen Kontakt vor Ort und haben uns mit ihr face-to-face getroffen und danach war die Organisation dann klar. Das hat uns einfach ein gutes Gefühl gegeben.

Für mich war wichtig, ein Gesicht zur Organisation zu haben und das Gefühl zu bekommen: Mein Kind ist gut aufgehoben. Der Kontakt war unkompliziert, man hatte direkt einen Ansprechpartner und wusste: Das passt.
Bei meiner Tochter stand Ayusa dann schon fest. Für uns stand direkt fest: Das hat beim ersten Mal sehr gut geklappt, das machen wir wieder.

Der 1. Schritt: 15 Minuten Erstgespräch ☎️

In einem kurzen Telefonat von etwa 15 Minuten klären wir die wichtigsten Fragen – unverbindlich und ganz unkompliziert. Anschließend vereinbaren wir ein ausführliches Beratungsgespräch mit der passenden Länderexpertin.

💬 Die Gastfamilien kamen bei beiden Kindern relativ spät. Wie sind Sie damit umgegangen?

Bei meinem Sohn kam die Familie drei Tage vorher. Wir hatten die Koffer schon wieder ausgepackt und gesagt: „Okay, dann wird es halt nichts.“ Dann kam der Anruf und innerhalb von 36 Stunden ging es los. Trotzdem hat alles funktioniert.
Bei meiner Tochter waren es ungefähr zwei Wochen vorher – das war für uns im Vergleich schon mehr als genug Zeit. Sie hatte allerdings auch viele Wünsche an ihre Gastfamilie. Deshalb war uns klar, dass die Suche schwieriger sein kann.

Mein Tipp wäre: Nicht zurückhalten mit dem, was man sich wirklich wünscht. Meine Tochter war damals Vegetarierin, wollte in einer eher weltoffenen und modernen Familie leben, wollte kein weiteres Austauschkind in der Familie und im besten Fall eine Gastschwester im gleichen Alter. Am Ende hat all das gepasst.
Man sollte sich nicht verstellen, nur damit vielleicht schneller eine Familie gefunden wird. Wenn man von Anfang an mit offenen Karten spielt, passt es vor Ort am Ende besser.

💬 Wie haben Sie die Betreuung während des Austauschjahres erlebt?

Wir haben uns betreut gefühlt. Bei meinem Sohn gab es gelegentlich Besuch von seinem Betreuer. Meine Tochter hatte in Colorado mehrere Treffen mit anderen Austauschschülern und die Betreuer waren sehr eng an den Kindern dran. Es kamen auch Informationen zu gemeinsamen Aktivitäten und Trips.

Bei meinem Sohn gab es während Corona einmal eine Situation, bei der Informationen über die Betreuung vor Ort bis nach Berlin und zu uns weitergegeben wurden. Da haben wir gemerkt: Die Kommunikationskette funktioniert.

Ansonsten gab es bei beiden Kindern keine Situation, in der wir wegen Problemen eingreifen mussten. Wenn etwas war, wurde es vor Ort geregelt.

📆 Die nächsten Infoevents

Bei unseren Infoveranstaltungen haben Familien die Möglichkeit das Ayusa Team kennenzulernen, alle Fragen zu stellen und sich umfangreich zu den Schüleraustausch Programmen zu informieren. Neben unseren wöchentlichen online Infoveranstaltungen, stehen wir auch bei Messen oder unserem eigenen Tag der offenen Tür zur Verfügung.

💬 Wie schwer war es für Sie, sich als Eltern zurückzuhalten?

Das ist wahrscheinlich einer meiner wichtigsten Tipps an andere Eltern: Am Anfang den Ball flach halten. Auch wenn es schwerfällt, möglichst wenig Kontakt haben, das Kind erst einmal ankommen und selbst erkunden lassen. Das ist ein Abnabelungsprozess und teilweise, glaube ich, für die Eltern schwieriger als für die Kinder. Wir haben gesagt: Es sind 8.000 Kilometer zwischen uns. Wir können hier nichts regeln. Die Gastfamilie hat selbst Kinder und weiß, was sie tut.

Auch Ayusa hat die Eltern darauf sehr professionell vorbereitet: Wie verhalte ich mich als Elternteil? Wann halte ich mich zurück? Wann lasse ich das Kind und die Gastfamilie erst einmal machen?

Heute haben wir noch Kontakt zu beiden Gastfamilien. Der Gastbruder meines Sohnes ist nach dem Austausch sogar mit ihm nach Deutschland geflogen und hat sechs Wochen bei uns verbracht. Daran merkt man natürlich, wie gut es gepasst hat.

💬 Was hat Ihren Kindern an der amerikanischen High School besonders gefallen?

Man muss sich darauf einlassen, dass es anders ist. Wenn ich ausschließlich das deutsche Schulsystem möchte, brauche ich nicht in die USA zu gehen. Meine Tochter hat zum Beispiel Fächer gewählt, die es hier so gar nicht gibt. Sie war im Tennis-Team, hatte Spirit Weeks, Jahrbuch und dieses ganze Gemeinschaftsgefühl der High School. Gerade im Sport und beim Zusammenhalt fand sie vieles toll organisiert. 

Es geht auch darum, einmal Dinge auszuprobieren, die man zu Hause nicht machen würde. Die Kinder lernen dort sehr viel Selbstständigkeit. Sie organisieren Dinge selbst und müssen für sich einstehen.

💬 Haben Sie nach der Rückkehr Veränderungen bei Ihren Kindern bemerkt?

Ja. Sie sind selbstständiger geworden. Und gerade dieses amerikanische Miteinander, der Teamspirit und die positive Einstellung bleiben hängen. Ich habe bei beiden Kindern gemerkt, dass sie nach ihrer Rückkehr anders mit Menschen umgegangen sind: mehr positive Bestärkung, jemanden wahrnehmen, loben, sagen: „Das hast du toll gemacht.“ Dieses Unterstützende merkt man wirklich.

Und man muss als Eltern fairerweise sagen: Man schickt ein Kind ins Auslandsjahr und bekommt eine Persönlichkeit zurück. Man bekommt nicht mehr genau das Kind zurück, das man weggeschickt hat. Aber sind wir ehrlich: Das wollen wir so ja auch.

💬 Was würden Sie Eltern mitgeben, deren Kind gerade über einen Schüleraustausch in den USA nachdenkt?

Hört auf euer eigenes Bauchgefühl und nicht nur auf andere Menschen. Informiert euch und stellt persönlichen Kontakt zu den Organisationen her – per Telefon, Videocall oder im persönlichen Gespräch. Das gibt einem am meisten Sicherheit. 

Und wenn das eigene Kind diesen Wunsch hat und man es ermöglichen kann, sollte man ihm diese Erfahrung auch ermöglichen. Es geht nicht um die Eltern, sondern um die Kinder.

Es gibt Zeiten, in denen man Kindern Wurzeln geben muss, und es gibt Zeiten, in denen man ihnen Flügel geben muss. Das Auslandsjahr hilft einem dabei, loszulassen und zu sagen: „Leb dein Leben, mach dein Ding, ich vertraue dir.“

Sprechen Sie persönlich mit Frau Kammer

Sie möchten mehr über die Erfahrungen von Frau Kammer und ihrer Familie erfahren? Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail. Gern stellen wir den persönlichen Kontakt her, damit Frau Kammer direkt von ihren Erlebnissen während des Schüleraustauschs berichten kann.

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